Vor drei Jahren wurde ich beruflich auf eine harte Probe gestellt. Mein Chef rief mich morgens zu sich und teilte mir mit, dass ich in eine andere Abteilung versetzt würde. Es traf mich wie ein Schlag. Ich war Teil eines tollen Teams, fühlte mich dort gut aufgehoben und war mit meinen Kolleginnen sehr verbunden. In der neuen Abteilung wartete eine Arbeit auf mich, die mir überhaupt nicht lag. Ich sollte Kinderspiele mit Elektronik für andere Länder umsetzen. Die meiste Zeit würde ich mit Kopfhörern vor dem PC sitzen, elektronische Dateien überprüfen und mit Kollegen per Mail kommunizieren. In keinster Weise eine Arbeit, dir mir und meinen Stärken und Fähigkeiten entsprach. Es war für mich wie ein Albtraum.

 

Nachdem klar war, dass man mir keine Wahl ließ, entschied ich mich, das Beste aus der Situation zu machen und darauf zu vertrauen, dass es auch hier gute Erfahrungen für mich geben würde. Und vielleicht die Arbeit viel interessanter wäre, als ich dachte und es eine neue Chance für eine spannende Veränderung sein könnte.

So ging ich nach meinem Sommerurlaub mit einer offenen und interessierten Haltung an meinen neuen Arbeitsplatz. Es gab auch hier nette Kollegen und ich wurde freundlich empfangen. Man war froh, dass endlich Unterstützung kam, weil alle heillos überlastet waren. Ich gab mein Bestes, versuchte mich so gut es ging in die Welt der Elektronik einzuarbeiten und damit zu leben, dass hier keine Zeit für Gespräche und gemeinsame Arbeit war, weil jeder versuchte, seinen Arbeitsberg kleiner werden zu lassen.

 

Keine Lösung in Sicht

Aber von Tag zu Tag spürte ich mehr, dass ich am falschen Platz bin. Es war, als ob ich wieder im Matheunterricht in der Schule sitze und kein Wort von dem verstehe, was der Lehrer erklärt. Ich kam innerlich unter Druck, weil ich immer wieder nachfragen musste und Niemand Zeit für eine Einarbeitung hatte. Ich wurde immer unglücklicher, wenn ich mit Kopfhörern schweigend an meinem Schreibtisch saß und wusste, dass meine alten Kollegen gerade gemeinsam ihre Projekte besprachen. Ich wollte mich nicht unterkriegen lassen und mit der Situation proaktiv umgehen, sprach mit meinem Chef, machte deutlich, dass ich hier falsch bin. Aber ich musste bleiben. Ich hielt die neue Situation sechs Wochen aus – dann wurde ich krank. Mein Körper streikte, meine Seele auch.

Über Monate ging es auf und ab. Es schien eine Lösung in Sicht, die sich dann wieder zerschlug. Ich war ratlos, traurig, vermisste meine Kollegen und meine Arbeit, saß allein zu Hause. Und fragte mich, was ich aus dieser Situation lernen sollte. Ich konnte nur loslassen, es annehmen und so zu meiner inneren Stärke zurückfinden.

 

Wenn auf einmal nichts mehr geht

Viele Menschen erleben heute solche Situationen im Job. Die Flut der Aufgaben nimmt ständig zu. Das Tempo, in dem Projekte abgewickelt werden müssen, erhöht sich und Veränderungen und Umstrukturierungen gehören zum Alltag. Kommt dann das Gefühl von mangelnder Wertschätzung und des Ausgeliefertseins dazu, läuft das Fass oft über.

Die Zahlen der Krankenkassen sprechen für sich. Hier aus einer Studie der Techniker Krankenkasse zu steigenden Zahl der psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz:

  • 2011 wurden bundesweit 59,2 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert. Das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den letzten 15 Jahren.
  • Ein Burnout verursacht nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Schnitt 30,4 Krankheitstage pro Jahr.
  • Bereits jeder fünfte Arbeitnehmer leidet unter gesundheitlichen Stressfolgen – von Schlafstörungen bis zum Herzinfarkt.
  • Jeder dritte Berufstätige arbeitet am Limit und fühlt sich stark erschöpft oder gar ausgebrannt.
  • Fachleute beziffern den Produktionsausfallkosten und verlorene Bruttowertschöpfung in Deutschland auf rund 71 Milliarden Euro


Quelle: TK Gesundheitsreport & KKH-Allianz & WHO & Stressreport Deutschland 2012

In meinen Coachings und in der Klinik, in der ich arbeite, habe ich es oft mit Menschen zu tun, die zusammengebrochen sind, nachdem sie Jahre über ihre Grenzen gingen. Es sind Menschen, die hohe Ansprüche an sich selbst haben, die das was sie tun, gut machen wollen, die im Grunde ihres Herzens für das brennen, was sie tun. Und dann irgendwann ausbrennen.

So wie die Lehrerin, die auf einmal ihre Beine nicht mehr bewegen konnte, ein lautes Pfeifen im Ohr hatte und nachts nicht mehr schlief. Oder der Manager, der vor dem PC saß und sich keinen Satz mehr merken konnte, und das Gefühl hatte, einen Herzinfarkt zu bekommen – aber es war „nur“ eine Panikattacke. Sie waren jahrelang begeistert für das, was sie beruflich taten. Versuchten das Beste aus ihrer Situation zu machen – bis ihr Körper so deutlich Grenzen setzte, dass sie zu uns in die Klinik kamen.

 

Die enorme Kraft in uns – Resilienz

Was hilft Menschen in solchen fast ausweglosen Situationen, wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen? Ihre innere Stärke – auch Resilienz genannt. Es ist eine Fähigkeit, die die wir alle in uns tragen und die uns hilft, aus Krisen gestärkt hervorzugehen.

Jeder gesunde Mensch kommt mit einem enormen Kraftreservoir auf die Welt. “Ohne diese Energie könnten wir gar nicht überleben”, sagt die Freiburger Psychologin Friederike von Tiedemann. “Wir haben einen starken Selbsterhaltungstrieb und ein starkes Bedürfnis, uns weiterzuentwickeln.” Das sieht man, wenn man beobachtet, wie Kinder laufen lernen: Was für eine Anstrengung, sich gegen die Schwerkraft aufzurichten. Enorme Hartnäckigkeit und ein felsenfester Wille erzwingen den aufrechten Gang. Fallen, aufstehen, fallen, aufstehen, immer wieder, bis es endlich klappt, zu stehen und zu gehen. Bedauerlich, dass viele den Wunsch, sich geradezumachen, im Lauf des Lebens verlieren.

Aus <http://www.stern.de/gesundheit/verborgene-kraftquellen-der-weg-zur-inneren-staerke-3489572.html>

Unter Resilienz fasst die Psychologie alle Strategien, Eigenschaften und Fähigkeiten zusammen, mit deren Hilfe Menschen Lebenskrisen meistern und oft sogar gestärkt daraus hervorgehen. Das reicht von privaten Beziehungsproblemen über betriebsbedingte Kündigungen, Arbeitslosigkeit, den finanziellen Bankrott bis hin zu schweren Krankheiten, schmerzhaften Verlusten oder gar kriminellen Übergriffen wie Entführungen. Resilienz wird auch als psychische Widerstandsfähigkeit bezeichnet und mit dem Bild eines Bambus verglichen, der sich immer wieder aufrichtet. Mich erstaunt es immer wieder, welche Herausforderungen Menschen in ihrem Leben überstehen können. Und was daraus Gutes entstehen kann.

Nach 27 Jahren Gefängnis wären wohl die meisten gebrochen – Nelson Mandela hingegen behielt auch in der Zelle seine Hoffnung und den Glauben an seine politische Mission. Er überwand die Apartheid und wurde später zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas. Oder Malala Yousafzai, das pakistanische Mädchen, das sich für Bildung einsetzte und dem die Taliban in den Kopf schossen. Unbeirrt setzt sie ihren Kampf für die Mädchen ihres Landes fort und wurde 2014 die jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte.
Aus <http://www.manager-magazin.de/lifestyle/fitness/resilienz-so-trainieren-sie-ihre-innere-staerke-a-1098785.html

 

In stürmischen Zeiten wachsen

Ich selbst durfte in meinem Leben auch schon oft die Kraft meiner inneren Stärke erleben und mich aus schwierigen Situationen wieder aufrichten wie ein Bambus nach dem Sturm. Und mich sogar stärker als vorher fühlen.

Nach meiner ungewollten Versetzung an meinem alten Arbeitsplatz richtete ich mich auch Stück für Stück wieder auf. Wurde ab und zu noch von einer Windböe niedergedrückt. Aber ich hatte viele Freunde, die an meiner Seite waren, konnte mich mit Achtsamkeitsübungen und Meditation trotz Druck und Unsicherheit entspannen, ging viel spazieren, um meiner Seele Raum zum Atmen zu geben. Und glaubte in meinem tiefsten Inneren daran, dass diese Situation einen Sinn haben und mich weiterbringen würde.

Nach einem halben Jahr war es soweit: Ich bekam meine Wunschstelle in der Klinik, in der ich heute arbeite, in meine Praxis fanden immer mehr Menschen ihren Weg und ich konnte mich mit erhobenen Haupt nach 18 Jahren dort verabschieden, wo nicht mehr mein Platz war. Heute denke ich: Diese Erfahrung hat mich stärker gemacht und weitergebracht. Und ich weiß, dass ich für all die Herausforderungen, die in diesem Leben noch auf mich warten, eine innere Stärke habe, die mich auch in stürmischen Zeiten wachsen lässt.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrer inneren Stärke gemacht?

Wie haben Sie solche Situationen schon einmal in Ihrem Leben gemeistert? Was hat Ihnen geholfen, gestärkt daraus hervorzugehen? Die meisten Menschen in meinen Gruppen sind überrascht und erleichtert, wenn sie hören, dass alle anderen auch immer wieder durch Krisen mit Zweifeln und Ängsten gehen. Und es hilft Ihnen, sich zu erinnern, was sie schon alles überstanden haben. Also: Schauen Sie auf Ihr Leben – und seien Sie stolz auf sich.

In meinem nächsten Beitrag erfahren Sie, wodurch sich Resilienz entwickelt, welche Faktoren zu ihrer Entwicklung beitragen und welche Übungen dafür hilfreich sind. Und Sie bekommen ein kleines Geschenk, das Sie auf Ihrem Weg zu mehr innerer Stärke begleitet.

 

Meine kostenlosen Angeboten für mehr innere Stärke

 

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Wenn Sie etwas für Ihre innere Stärke tun möchten, dann melden Sie sich doch zu meinem kostenlosen Online-Meditationskurs an. Er startet am Samstag 04.03. und ich habe noch fünf Plätze zu vergeben.


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Mein nächstes Webinar
Am Donnerstag den 09. März findet um 19.30 mein nächstes kostenloses Webinar statt: Mehr Wertschätzung in den Arbeitsalltag bringen. Hier gehts zur Anmeldung:

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Ich wünsche Ihnen viel innere Kraft bei Ihren ganz persönlichen Herausforderungen und freue mich über Ihre Kommentare, Erfahrungen und Fragen zu diesem Thema. Und natürlich, wenn wir uns im Webinar oder in meinem Online-Kurs begegnen.

Herzliche Grüße

 

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