Der Tag vor meinem Stress-Mangement-Seminar. Auf meinem Sofa stapeln sich Kopien, Ordner, Stifte und ein paar Wäscheklammern (die sind für ein ziemlich lustiges Bewegungsspiel). Seminare zu geben ist ewas, das ich von Herzen gerne tue. Menschen begegnen, ihnen meine Wertschätzung zu schenken und zu erleben, wie sie sich in diesem Raum der Annahme und Verbundenheit öffnen und entfalten. Sich einander zuwenden, voll Staunen den Schatz im Gegenüber entdecken und dadurch auch in sich selbst. Es war lange ein Herzenswunsch, Menschen in Seminaren zusammenzubringen und mit ihnen den Weg einer wunderbaren Freundschaft mit sich selbst zu beginnen. Inzwischen habe ich einige 100 Seminarteilnehmer durch diese Tage begleitet, viel wunderbares Feeback bekommen.

 

Die schwarze Wölfin und die Autobahn der Gedanken

Und trotzdem. Und trotzdem gibt es da einen Teil in mir, der einen Tag vor dem Seminar am liebsten absagen würde. Die schwarze Wölfin. Die mich knurrend davon überzeugen will, dass es sehr anstrengend sein wird und mir in düsteren Farben ausmalt, wie unzufrieden und enttäuscht die Teilnehmer wahrscheinlich nach Hause gehen werden. Zu Höchstform läuft sie auf, wenn sie mich mit Top-Speakern wie Veit Lindau vergleicht, dem ich ja auf keinen Fall das Wasser reichen kann. Und ich meinen Teilnehmern mit dem was ich zu sagen habe, allenfalls ein müdes Gähnen entlocken werde. Es ist gar nicht so leicht, diesen Anteil zu stoppen. Die Autobahn in meinen Gedanken, die vor Jahren stillgelegt wurde,  erstrahlt in neuem Glanz und fühlt sich an wie in der Rush Hour des Rhein-Main Gebietes.

 

Mein neutraler Beobachter kommt ins Boot

Diese Gedanken und Vorstellungen erzeugen Stress in mir. Mein Kopf schwirrt, mein Herz klopft, ich fühle mich wie gelähmt, mein Bauch kribbelt. Zum Glück gibt es meinen neutralen Beobachter. Der sich diesen Dialog mit meiner schwarzen Wölfin mitfühlend anschaut. Und mir auf die Schulter tippt, damit ich wieder zurück in die Realität komme. Denn das was ich erlebe ist hausgemachter emotinaler Stress. Es sind Ängste und Befürchtungen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Meine schwarze Wölfin will, dass ich mich nicht übernehme und womöglich scheitere. Sie stammt aus früheren Zeiten in meinem Leben, in denen sie mich beschützen wollte. Ihr liebster Satz war früher: “Du bist nicht gut genug”. Egal ob es um die Mathearbeit ging, die ich mit vier Punkten zurückbekam oder die Trennung von meinem ersten Freund, die sehr schmerzlich für mich war. Die Schwarzmalerin stand neben mir, schüttelte den Kopf und sagte: Du bist eben nicht gut genug. Sie fand hunderte von Beweisen in meinem Leben und wurde zu einer ständigen Begleiterin.

 

Der Hoffnungsschimmer, den die weiße Wölfin bringt

Zum Glück gab es auch damals schon die leise Stimme der weißen Wölfin in mir, die versuchte, diesen Gedanken über mich selbst zu entkräften. Die mir Hoffnungsschmimmer schickten, wenn es in mir dunkel wurde vor lauter Selbstzweifeln. Aber die stärkste Kraft war meine schwarze Wölfin. Die mir auch sagte, dass mich sowieso niemand wirklich leiden könne und ich ein viel zu schwieriger und negativer Mensch wäre.

Heute kann ich mit viel Mitgefühl auf mein Ich von damals schauen. Den ständigen Schmerz, den ich in mir selbst erzeugte durch diese Gedanken. Die sich irgendwann in meiner Kindheit zu meinem Schutz in mir entwickelt hatten. Um nicht von anderen verurteilt und bewertet zu werden. Und mit Mitgefühl konnte ich der schwarzen Wölfin auch ihre übergroße Macht nehmen. Sie Stück für Stück kleiner werden lassen. Heute ziehen ab und zu noch graue Wolken an meinem Himmel vorbei, als Zeichen dafür, dass sie aus der Ferne noch auf mich aufpasst. Wenn ich zum Beispiel ein Seminar vorbereite. Aber ich kann diese grauen Gedankenwolken vorüberziehen lassen. Und das Licht dahinter sehen. Und meine Gefühle von Stress und Anspannung so in kurzer Zeit regulieren und in Entspannung und Zuversicht verwandeln.

Der meiste Stress, den wir erleben, ensteht durch unseren schwarzen Wolf. Er will uns mit den eigenen inneren Schatten und Ängste vertraut machen. Uns vor Enttäuschung schützen. Durch unsere Gedanken verbinden wir uns mit ihnen. Wie stark diese Verbindung sein soll, entscheiden wir selbst.So wie in der Geschichte von schwarzen und vom weißen Wolf, die ein alter Indianer seinem Enkel erzählt:

 

Die Geschichte von den zwei Wölfen

Schweigend saß der Cherokee Großvater mit seinem Enkel am Lagerfeuer und schaute nachdenklich in die Flammen. Die Bäume um sie herum warfen schaurige Schatten, das Feuer knackte und die Flammen loderten in den Himmel. Nach einer gewissen Zeit meinte der Großvater: „Flammenlicht und die Dunkelheit, wie die zwei Wölfe, die in unseren Herzen wohnen“.Fragend schaute ihn der Enkel an.

Daraufhin begann der alte Cherokee seinem Enkel eine sehr alte Stammesgeschichte von einen weißen und einem schwarzen Wolf zu erzählen. “In jedem von uns lebt ein weißer und ein schwarzer Wolf. Der weiße Wolf verkörpert alles was gut, der Schwarze, alles was schlecht in uns ist. Der weiße Wolf lebt von Gerechtigkeit und Frieden, der Schwarze von Wut, Angst und Hass. Zwischen beiden Wölfen findet ein ewiger Kampf statt, denn der schwarze Wolf ist böse – er steht für das Negative in uns wie Zorn, Neid, Trauer, Angst, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Groll, Minderwertigkeit, Lüge, falscher Stolz und vieles mehr. 

Der andere, der weiße Wolf ist gut – er ist Freude, Friede, Liebe, Hoffnung, Freundlichkeit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Wahrheit und all das Lichte in uns.Dieser Kampf zwischen den beiden findet auch in dir und in jeder anderen Person statt, denn wir haben alle diese beiden Wölfe in uns.“

Der Enkel dachte kurz darüber nach und dann fragte er seinen Großvater,
 „Und welcher Wolf gewinnt?“Der alte Cherokee antwortete: „Der, den du fütterst.

 Nur bedenke, wenn du nur den weißen Wolf fütterst, wird der Schwarze hinter jeder Ecke lauern, auf dich warten und wenn du abgelenkt oder schwach bist wird er auf dich zuspringen, um die Aufmerksamkeit zu bekommen die er braucht.

 Je weniger Aufmerksamkeit er bekommt, umso stärker wird er den weißen Wolf bekämpfen. Aber wenn du ihn beachtest, ist er glücklich. Damit ist auch der weiße Wolf glücklich und alle beide gewinnen.“

Das ist die große Herausforderung eines jeden von uns… das innere Gleichgewicht herzustellen.Denn der schwarze Wolf hat auch viele wertvolle Qualitäten – dazu gehören Beharrlichkeit, Mut, Furchtlosigkeit, Willensstärke und großes intutives Gespür, Aspekte, die Du brauchst in Zeiten, wo der weiße Wolf nicht weiter weiß, denn er hat auch seine Schwächen.

Du siehst, der weiße Wolf braucht den schwarzen Wolf an seiner Seite. Beide gehören zusammen. Fütterst du nur einen, verhungert der andere und wird unkontrollierbar. Wenn du beide fütterst und pflegst wird es ihnen gut tun und ein Teil von etwas Größerem, das in Harmonie wachsen kann. 

Füttere beide und du musst deine Aufmerksamkeit nicht auf den inneren Kampf verwenden müssen. Und wenn es keinen inneren Kampf gibt, kann man die innere Stimme, der alles wissenden Führer hören, die dir in jeder Situation den richtigen Weg deutet.Frieden, mein Sohn, ist die Mission der Cherokee, ist das Leben. Ein Mann, der den schwarzen und weißen Wolf in Frieden in sich hat, der hat alles. 

Ein Mann, der in seinen inneren Krieg gezogen wird, der hat nichts. Dein Leben wird davon bestimmt, wie du mit deinen gegnerischen Kräften umgehst. Lass nicht den einen oder anderen verhungern, füttere sie beide und beide gewinnen.”

Wir selbst entscheiden, welchen unserer Wölfe wir täglich füttern.
Mein Begleiter ist immer öfter die weiße Wölfin in mir. Und das fühlt sich ganz wunderbar an.

 

Die eigenen Schatten ins Herz schließen

In dieser Geschichte steckt eine sehr tiefe Wahrheit. Wir selbst entscheiden, welchen Wolf wir in uns füttern. Und: Auch der schwarze Wolf braucht Aufmerksamkeit. Er ist ein Teil von uns, erinnert uns immer wieder an die Schatten in uns, die wir in Herz schließen und transformieren dürfen. Das ist ein lebenslanger Prozess. Der uns wachsen lässt und mit anderen Menschen verbindet. Füttern wir ihn zu viel, wird uns der Stress der negativen Gedanken immer wieder einholen. Und die Welt vor uns dunkel und grau erscheinen lassen. Sehen wir die Begegnungen mit ihm als ständigen Kampf, bringen wir uns selbst um den Reichtum und die Fülle in uns. Die in der Verbindung und dem Kontakt mit beiden Wölfen liegt.

Mein Seminar war auch dieses Mal wieder ein Tag der Inspiration, voll mit emotionalen und berührenden Begegnungen und sehr dankbaren Teilnehmerinnen. Mein weißer Wolf hat gestrahlt, der schwarze war erleichtert, dass seine Befürchtungen sich in Luft auflösten. Und wir drei verbrachten einen glückseligen Abend, an dem wir über die Lebendigkeit und Buntheit des Lebens staunten. Und uns verbunden und eins fühlten.

Buchtipp: Wenn du mehr über den weißen und schwarzen Wolf erfahren möchtest – es gibt ein sehr schönes Buch mit Weisheitsgeschichten und Übungen: Füttere den weißen Wolf

 

Der Lieblingsgedanke meiner schwarzen Wölfin – und wie ich ihn entdeckt habe

Mir selbst ist vor vielen Jahren in einer schwierigen Zeit meines Lebens schlagartig bewusst geworden, mit welchem Gedankne meine schwarze Wölfin mir am meisten Stress verursacht. Denn jeder Mensch hat seinen Lieblingsgedanken, mit dem er seinen schwarzen Wolf in sein Leben ruft. Wie ich ihn auf in einer für mich sehr seltsamen Übung entdeckt habe und wie ich mit ihm umgehe, erzähle ich in diesem Video (Dauer 10.00 Minuten)

Ich wünsche dir, dass du deine beiden Wölfe so fütterst, dass du die weise innere liebevolle Stimme in dir von Tag zu Tag deutlicher hören kannst. Und es immer friedlicher und heller in dir wird.
Herzliche Grüße

 

 

P.S. Meine Newsletter Abonnenten haben für die beiden Wölfe noch eine kleine Selbstcoaching Übung bekommen. Wenn du an solchen Übungen auch interessiert bist, dann trage dich einfach ein und lass dich überraschen, welche Übung du das nächste Mal bekommst. 

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