Immer wieder weht eine warme und frische Brise der Freude zu mir, wenn ich ihnen begegne. Eine Horde kleiner Kinder, die Hand in Hand mit munterem Geplapper und leuchtenden Augen  an mir vorüberlaufen. Oft würde ich gerne mit ihnen gehen und eintauchen in ihre Welt, mich von ihnen an die kleine warme Hand nehmen lassen.

Und sie machen mir etwas bewusst: Oft vergesse ich den wichtigsten Menschen in meinem Leben – mein inneres Kind. Der Teil in mir, der die Welt mit leuchtenden Kinderaugen anschaut, die Magie des Lebens zwischen den nüchternen Herausforderungen des Alltags sehen kann. Der weiß, was die Quelle von Freude und Leichtigkeit in meinem Leben ist. Mir seinen kleinen Wunschzettel ans Herz legt, damit mein Tag ein bisschen bunter und entspannter wird – in all dem Wahnsinn der täglichen Pflichten. Es zeigt mir den Weg zu mir selbst, zu meiner tiefsten inneren Freude und meinen Fähigkeiten und Leidenschaften.

 

Mein Tag voller zauberhafter Momente

Vor ein paar Tagen habe ich mich an die Hand nehmen lassen von ihm und uns einen wunderbar entspannten Tag geschenkt. Ein Sonntag, an dem ich mich nur habe treiben lassen, all den Wünschen und Impulsen gefolgt bin, die wie zarte, schillernde Seifenblasen in mir aufgetaucht sind: Endlich den Plätzchenteig für unsere Weihnachtsbäckerei geknetet, mich gedankenverloren an der weiß verschneiten Landschaft gefreut und den sanft fallenden Schneeflocken nachgeschaut. Und so reihte sich ein kleiner Glücksmoment an den anderen. Herrlich!

Viel zu oft laufe ich mit meiner inneren sehr langen To-do Liste durch den Tag und merke nicht, wie die Zeit verfliegt – und mit ihr all die schönen, stillen, unbeschwerten und zauberhaften Momente.

 

 

Der Nebel der Vergangenheit und die inneren Schubladen

Aber wie kann man denn dieses Teil von sich selbst finden und ihn an die Hand nehmen? Und wozu ist das eigentlich gut?
Um sich selbst und sein wunderbares inneres Kind zu entdecken und besser zu verstehen ist es wichtig, seine Lebensgeschichte anzuschauen und zu erzählen. Oft ist sie in unserem Unterbewussten verschwunden, in einer Schublade verstaut. Viele Menschen können sich deshalb nicht an ihre Kindheit erinnern.

Was ist deine erste Erinnerung aus deiner Kindheit? Ab wann tauchen die Bilder von damals aus dem Nebel der Vergangenheit auf? Bei vielen Menschen hat der sanfte Schleier des Vergessens Erinnerungen verhüllt, die zu schmerzlich sind, wenn sie auftauchen.

Aber sie sind in uns und liegen in den inneren Schubladen. Und wirken von dort auf unser Leben. Wie ein feiner Duft, der durch die Ritzen unseres Alltags zieht. Manchmal lieblich und wärmend, manchmal bittersüß und schmerzlich. Es ist unsere Aufgabe, zu diesen vergessenen Zeiten Kontakt aufzunehmen und die Teile unserer Selbst, die wir auf dem Weg unseres Lebens verloren haben wieder zu uns zu holen.

 

 

Die Melodie deines Lebens und wie du sie entdecken kannst

Letzten Monat schrieb ich in einer Blogparade meiner Kollegin Angelique Thranberend darüber, wie ich zu meiner Berufung kam. (Hier kannst du den Beitrag lesen) Beim Schreiben erkannte ich, dass es Menschen und ihre Geschichten sind, die mich im tiefsten Inneren bewegen. Ich könnte anderen Menschen stundenlang zuhören, wenn sie aus ihrem Leber erzählen. Es ist so, als ihre Kontur immer klarer wird und eine Verbindung entsteht, der Andere wird für mich spürbar. Vor allen Dingen durch die Krisen und Brüche seines Lebens, durch die er gegangen ist, die ihn geprägt haben.

Und dabei taucht immer das Kind von damals auf. Denn das was in unserer Kindheit geschehen ist, so wie wir damals gelebt, geliebt, gespielt, geweint und gelacht haben, das macht uns zu dem, was wir heute sind. Es sind unsere Wurzeln, die uns prägen und mit dem Boden unseres Seins verbinden.

Schade, dass Menschen sich selten diese Geschichten erzählen. Denn beim Erzählen löst sich etwas in ihnen. Es ist so, als man ein lang vergessenes Musikinstrument wieder aus der Ecke holt und anfängt, eine Melodie zu spielen. Vielleicht zuerst ein wenig unsicher und ungeübt. Aber der Klang findet seinen Weg und berührt die Herzen anderer Menschen. Und beim Erzählen wird einem die Melodie des eigenen Lebens deutlich.

 

Dinge, die man als Kind geliebt hat, bleiben im Besitz des Herzens bis ins hohe Alter. Das Schönste im Leben ist, dass unsere Seelen nicht aufhören an jenen Orten zu verweilen, wo wir einmal glücklich waren. Khalil Gibran

 

 

Das Mädchen auf dem Fahrrad und wie es seine Gedanken fliegen lässt

Wie neulich bei einem Treffen mit Freundinnen. Wir brachten alle ein Kinderbild von uns mit und sprachen darüber, wie wir als Kinder gewesen sind. Eher schüchtern oder draufgängerisch, vielleicht verträumt oder wild, ein Einzelgänger oder immer in einer Gruppe unterwegs.

Eine Freundin sagte, dass ihr durch das Erzählen und Erinnern bewusstgeworden war, dass sie das Alleinsein immer schon genossen und gebraucht hatte. Am liebsten setzte sie sich auf ihr Fahrrad, fuhr die 15 Kilometer lange Strecke durch die einsamen Felder und Wälder zum nächsten Dorf, spürte den Wind im Gesicht, ließ die Landschaft und ihre Gedanken an sich vorüberfliegen. Auch heute fährt sie noch an eiskalten Winterabenden auf ihrem Fahrrad nach Hause, hängt ihren Gedanken nach und kommt so mehr bei sich selbst an. Sie konnte erkennen, dass dieses Bedürfnis immer schon Teil ihres Lebens war, dass das Kind von damals Freude daran hatte und der Geruch der Freiheit und des Alleinseins ihr beim Fahrradfahrens immer wieder um die Nase wehte und in ihr Leichtigkeit aufstiegt.

 

 

Sein eigenes Leben reicher machen und sich an die innere Quelle anschließen

Sich an das Kind von damals zu erinnern, sich Fotos anzuschauen und die Geschichten aus der Kindheit zu erzählen schenkt uns einen mitfühlenden und liebevollen Blick auf uns selbst. Denn Kinder muss man lieben. Vor allem das Kind, das wir ein Leben lang in uns tragen.
Für viele Menschen ist es zuerst sehr schmerzlich, über dieses Kind zu erzählen. Wenn es keinen liebevollen Ort in seiner Kindheit hatte, kein Nest, wo es geborgen war. Vernachlässigt oder misshandelt wurde. Schwere Verluste erlitten hat, eine Zuwendung bekam. Aber unter diesem ersten Schmerz liegt ein ungeheurer Reichtum. Die tiefe Lebensfreude und eine innige Verbindung zum Leben und zu anderen Menschen. Denn in dem Kind von damals ist wie ein unzerstörbarer Kern eine Liebe zum Leben angelegt, die wir durch den Kontakt wieder stärken und erwecken können.

Viele Menschen haben Angst, die Schachteln und Kisten der Erinnerungen noch einmal zu öffnen. Sie haben Angst vor dem Schmerz, der sich zeigen könnte. Der Schmerz, sich immer abgelehnt zu fühlen. Der Schmerz von vielen Bewertungen und Beschimpfungen – oder des tagelangen Schweigens. Der Schmerz des Desinteresses und des ständigen sich Anstrengens, um endlich einen freundlichen Blick oder ein Lob zu bekommen. Und sie sind erstaunt, wenn sie feststellen, dass ihr heutiges Verhalten fast immer mit dem Kind von damals zu tun hat. Dazu habe ich in diesem Beitrag geschrieben.

Es geht darum, Verständnis und Mitgefühl mit diesem Kind zu entwickeln. Und die Zartheit und das Liebenswerte und Einzigartige hinter den Schmerzen und Verletzungen zu erkennen. Und so sein eigenes Leben auch wieder reicher zu machen. Sich anzuschließen an eine innere Quelle, die uns mit uns selbst verbindet. Und die unter den Verletzungen voller Staunen über die Wunder des Lebens und unbändiger Lebensfreude ist.

 

Was ist ein Kind? Es ist Liebe, die Gestalt angenommen, Glück, für dass es keine Worte gibt. Eine kleine Hand, die dich zurückführt in eine Welt, die du schon fast vergessen hattest.

 

Mein Wunsch ist es, Menschen zu einem starken und gesunden Selbstbewusstsein zu begleiten. Mit ihnen ihre Selbstzweifel und Blockaden aus dem Weg aufzulösen und eine liebevolle Beziehung mit sich selbst zu beginnen. Dazu gehört immer auch das Bewusstsein über das Kind von damals. Wer sich ihm zuwendet, stärkt sein Selbstbewusstsein, sieht sich selbst in einem neuen Licht und erkennt das, was lange im Dunklen und im Schatten war.

 

Erzählt euch von den wilden Jungen und Mädchen in euch – und ihren Feen, Zauberern und Zufluchtsorten

Sich selbst zu lieben ist nur möglich, wenn wir bereit sind, auch das Kind von damals ins Herz zu schließen. Es nicht länger wegzusperren aus Angst vor seinen Schmerzen und seiner Traurigkeit. Und es mitfühlend in den Arm und in sein Herz zu nehmen. So wie man es eben mit einem Kind machen würde, das traurig vor einem steht, dem die Tränen die Wangen herunterkullern.

Such dir Menschen, denen du vom Kind in dir erzählst. Zeigt euch eure Kinderbilder und erzählt von der magischen Zeit eurer Kindheit. Von den Ängsten, Träumen und Hoffnungen. Von Feen, Zauberern und Monstern, die euch begegnet sind. Von dem wilden Jungen und Mädchen in euch, das durch die Wälder gestreift ist und dort Schutz und Zuflucht gesucht hat. Es gibt so viele berührende und einzigartige Geschichten die erzählt werden wollen, um uns gegenseitig zu berühren und in wirklichen Kontakt miteinander zu kommen. Und uns unsere füreinander zu öffnen.

Wer beginnt das Kind in sich zu erkennen und ihm sein Herz zu öffnen, entdeckt eine innere Quelle der Liebe in sich, die nie versiegt. Und kann die schillernden und glitzernden Momente im Alltag ganz neu entdecken.

Eine wunderbare Weihnachtszeit und viele berührende Begegnungen mit dem wichtigsten Menschen in deinem Leben wünscht dir


 

 

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