Drei einfache Übungen, die dir ein starkes Selbstbewusstsein und Flügel des Mutes geben

10 Juni 2017 | 3 Kommentare

Kennst du Situationen, in denen du spürst, dass dir auf einmal deine Wurzeln fehlen und den inneren Halt verlierst, dich haltlos fühlst?

Vielleicht die Mutter eine kritische Bemerkung macht, so dass man sich wieder wie eine 13jährige fühlt, die alles falsch macht obwohl man schon eine gestandene Frau ist.

Oder eine Kollegin einen kritisiert, weil man einen Fehler gemacht hat und man sich selbst das nicht verzeihen kann.

 

Ohne Wurzeln keine Flügel

Ohne Wurzeln keine Flügel – ein schönes Bild für einen der wichtigsten Schritte bei der persönlichen Entwicklung.

Wir brauchen beides in dieser Welt: Tiefe, gut verankerte Wurzeln die uns Halt geben, uns versorgen und uns wachsen lassen.

Und Flügel des Mutes und der Leichtigkeit, die uns immer wieder aus unserer Komfortzone, aus dem Gewohnten heraustragen in neue Bereiche unserer Persönlichkeit.

Die uns durch den Wind des Wandels schweben lassen, mit denen wir seine Böen und Stürme nutzen können, um an neue Ufer zu gelangen, neue Landschaften unserer Seele zu entdecken.

 

Was gibt dir Halt?

Wie gut bist du in der Welt und in deinem Leben verwurzelt? Was gibt dir Halt, was nährt dich?

Eine der wichtigsten Wurzeln ist die Bindung zu den eigenen Eltern. Bei den meisten Menschen ist diese erste, wichtige Bindung nicht immer gut und nährend gewesen. Darüber habe ich in meinem letzten Blogbeitrag geschrieben: Wie du tiefe seelische Wunden heilen kannst.

Wie man seine Wurzeln besser verankern kann um dann seine Flügel auszubreiten: Dafür möchte ich dir heute am Schluss drei einfache Übungen weitergeben, die schon vielen Menschen bei mir im Coaching geholfen haben in ihre Kraft zu kommen.

Auch ich selbst kennen Situationen, in denen ich mich entwurzelt und wackelig fühle nur zu gut.

 

Wenn alte Emotionen an die Oberfläche kommen

Eine Situation ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ich hatte mal eine Kollegin, die zu meiner Vorgesetzten wurde und mit der die Chemie nicht stimmte.

Als ich bei einem Projekt etwas vergaß, nahm sie es zum Anlass, mich runterzumachen und mir grundsätzlich zu sagen, dass sie von mir und meiner Arbeit nichts hält.

In diesem Moment erstarrte ich innerlich, das Blut rauschte in meinen Ohren und ich spürte wie die Tränen der Wut und Verzweiflung in mir hochkrochen.

Mein vegetatives Nervensystem schaltete auf Überleben um, weil ich mich wie die 10jährige fühlte, die von der Mutter abgekanzelt wird.

In diesem Alter trennten sich meine Eltern, ich wollte gerne weiterhin Kontakt zu meinem Vater und meine Mutter ließ mich immer wieder spüren, dass sie mir das übelnahm.

Der Ton und die abwertende Art, in der meine Kollegin mit mir sprach, spülten all die alten Emotionen wieder hoch – ich konnte nur noch im Ansatz ruhig und gelassen bleiben.

Es gelang mir gerade noch, in ihrer Gegenwart die Fassung zu bewahren und ihr Paroli zu bieten.

Danach brach ich in Tränen aus und fühlte mich schuldig und wertlos. Es brauchte etwas Zeit und ein bisschen Ruhe zum Runterkommen – dann fing ich mich wieder.

Auch mit der Hilfe von zwei sehr verständnisvollen und lieben Kolleginnen.

 

Die Überlebensreaktion – wenn der Körper fremdgesteuert ist

Diese Überlebens-Reaktion hat ihre Ursache in den Bewertungen und Abwertungen, die wir als Kindern immer wieder gehört haben. Sie haben dazu geführt, dass sich in uns ein innerer Kritiker entwickelt, der uns auf Schritt und Tritt begleitet.

Bei manchen Menschen ist er nur ein kleiner Zwerg, der ab und zu einen leisten Einwurf macht. Bei anderen ein wahrer Riese mit lauter Stimme, der einen unablässig einschüchtert.

Kennst du solche Situationen? Unser Körper ist wie fremdgesteuert, wir atmen nur noch flach und fühlen uns entweder hilflos oder wütend.

Wir können nicht mehr wie der Erwachsene reagieren, der wir doch eigentlich sind, werden in Lichtgeschwindigkeit in unser Kind-Ich katapultiert.

 

Das limbische System – schneller als der Verstand

Diese Reaktion wird von LIMBI, unserem limbischen System gesteuert, das schneller als unser Verstand reagiert und uns keine Zeit zum Nachdenken lässt.

Es will uns schützen, unser Überleben sichern – und hat nicht realisiert, dass wir erwachsen sind, viel Lebens- und Berufserfahrung haben und dass ein Fehler nicht mehr lebensbedrohlich für uns ist.

Wenn wir in unser inneres Kind rutschen, können wir nicht zwischen damals und heute unterscheiden.

Die Zeiten unseres Lebens verschmelzen miteinander und wir werden zum Zwerg unserer Ängste und Verzweiflungen.

In diesem Moment werden bedrohliche Erfahrungen aus der Kindheit aktiv. Und alte Glaubenssätze, die sich mit all ihrer Wucht auf uns und unser gesamtes Glaubens- und Körpersystem auswirken.

 

Der alte Glaubenssatz von damals

Mich hat viele Jahre der Glaubenssatz: „Ich bin nicht gut genug“ wie ein treuer Freund der sich nicht abschütteln ließ begleitet.

Er hat sich mir immer wieder in den Weg gestellt, mich zurückgehalten und gelähmt. Wie ein Grundton klang er immer wieder in meinem Leben.

Als er mir bewusst wurde ich als Gegengewicht immer mehr positive Sätze in mein Denken und mein Leben eingeladen habe, begann eine Veränderung, die mir starke Wurzeln gab und mir Flügel der Weiterentwicklung schenkte.

 

Drei Übungen für ein starkes Selbstbewusstsein

 

#Die Brief Übung

Schreibe einen Brief (den du nicht abschickst) an deine Mutter oder deinen Vater schreiben: Was ich mir gewünscht hätte, was ich vermisst habe, wofür ich dankbar bin, was schwer für mich war.

Nutze für diese Aufgabe die Technik des kreativen Schreibens. Nimm Stift und Papier, mache es dir bequem und schreibe 15 Minuten ohne abzusetzen, was dir zu den Fragen gerade durch den Kopf geht.

Wenn dir nichts einfällt, schreibe das einfach auf – und lass dich überraschen, was nach der Ebene des Verstandes aus dem Unbewussten auftaucht.

 

#2 Die Glaubenssatz-Übung

Achte eine Woche auf deine wichtigsten Glaubenssätze, die dich blockieren.

Hier ein paar Fragen, die dir helfen, deinen Glaubenssätzen auf die Spur zu kommen:

Welche Bewertungen, Ermahnungen, Sätze hast du in deiner Kindheit ständig gehört?

Wie wurde mit deinen Wünschen und Träumen umgegangen?
Wie hat man auf deine Fehler reagiert?

Wurdest du ermutigt, etwas auszuprobieren?

 

Wenn ich mit meinen Klienten arbeite, kommen oft Sätze wie:

Stell dich nicht so an
Es wird einem nichts geschenkt
Jungen weinen nicht
Du musst immer brav sein
Was sollen den die Anderen denken?
Was bildest du dir eigentlich ein?

Vielleicht ist deiner ja schon dabei. Halte einfach öfter mal inne und achte auf die Gedanken, die dir in Situationen, die dir Stress bereiten, durch den Kopf gehen.

Je öfter du das tust, desto schneller wirst du den roten Faden deiner Glaubensätze finden. Und kannst dann positive aussuchen, mit denen du die alten immer kleiner werden lässt.

 

 

#3 Die Ressourcen- entdecken Übung

Schreibe auf, welche Ressourcen/ Fähigkeiten, Talente deine Eltern und Großeltern hatten, also was für gute Eigenschaften und positive Seiten.

Schreibe auch über ihre Herausforderungen an denen sie gewachsen sind. Und überlege dann, welche dieser Ressourcen du selbst hast, was davon sie dir mitgeben konnten.

Da gibt es in der Regel nämlich auch eine ganze Menge.

Durch diese Übung kann Dankbarkeit einkehren. Denn das ist aus meiner Sicht eine der größten Kraftquellen.

Und es ist ein Leben möglich, ohne den Schatten des Riesen, der uns die ganze Zeit begleitet und kleinmacht.

 

Die eigenen Wurzeln im Boden deines Lebens verankern

Es ist wichtig, durch diese Übungen aus seinem Erwachsenen-Ich auf die Eltern und die Kindheit zu schauen, um eine andere Perspektive zu bekommen.

Nicht immer wieder unbewusst aus den Augen des Kindes auf die Welt zu schauen, das sich klein und fehlerhaft fühlt.

Und sich so ein Stück von den Eltern zu lösen, ihnen durch die unerfüllte Sehnsucht und den emotionalen Schmerz keine Macht mehr über sich zu geben.

Wie ein Dorn oder Splitter im Fuß, vielleicht nur winzig klein, der bei bestimmten Bewegungen weh tut, ein scharfer Schmerz, der durch den ganzen Körper geht. Vielleicht tut es kurz weh in zu entfernen.

Aber danach wird es ruhig, entspannt und friedlich. So lange ich nicht nachschaue, wo der Splitter ist wird es immer wieder schmerzen.

Und du kannst deine eigenen Wurzeln tiefer und sicherer im Boden deines Lebens verankern um immer wieder deine Flügel auszubreiten und dich näher zu dir selbst tragen zu lassen.

Herzliche Grüße

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3 Kommentare

  1. Liebe Alexandra,
    wieder einmal ein wohltuender und ermutigender Beitrag von dir. Danke dafür 🙂

    Mit der Arbeit an alten Glaubenssätzen oder auch Antreibern habe ich schon sehr gute Erfahrungen bei meinen Klienten gemacht und arbeite selbstverständlich auch immer fleißig an mir selbst weiter.

    Bei deinen Erklärungen zum limbischen System musste ich schmunzeln. Ich ärgere mich oft über meine Reaktionen, weil ich doch weiß, dass ich „schon groß und alt genug bin“ um in bestimmten belastenden Momenten angemessener zu reagieren.
    Es passiert trotzdem immer wieder. Zumindest mache ich das jetzt schon mit mir selbst ab.
    Ich weiß auch gar nicht, ob mich ein Glaubenssatz quält. Ist hier die Plattform für meinen Kummer?

    Wenn ja, dann also
    Meine Eltern haben uns Töchter immer als „gleichwichtig oder gleichwürdig“ behandelt. Wir durften mit beraten und zu familiären Dingen, die uns betreffen immer unsere Meinung sagen und sie wurde ernst genommen. Dafür bin ich dankbar.

    Leider ist mein herzallerliebster Mann in einem ganz anderen Elternhaus aufgewachsen. Der Vater war der Versorger und bestimmt wo es lang ging, bzw. ist seinen Weg gegangen. Das habe ich schon recherchiert 😉
    Mein Mann hat zu gut hingeschaut. Dass er mir das Leben so angenehm wie möglich gestalten und mich auf Händen tragen will ist zwar sehr angenehm, jedoch der Preis dafür ist hoch.
    Er arbeitet viel zu viel, wir haben wenig gemeinsame Zeit, die für mich das kostbarste ist.

    Wenn er mir Entscheidungen abnimmt oder Abstimmungen, Absprachen innerhalb unserer Patchworkfamilie trifft oder unser Leben organisiert, geht er davon aus, mir etwas abzunehmen.
    Und ich, ich fühle mich ausgeschlossen, nicht einbezogen nicht akzeptiert und meine Bedürfnisse nicht respektiert, in meiner Selbstbestimmung eingeschränkt und das macht mich tief traurig.
    Es fühlt sich für mich so an, als würde der Mensch, der mir am wichtigsten ist, mich am wenigsten schätzen oder sich sehr wenig für meine Bedürfnisse interessieren.

    Derzeit versuche ich im „Erwachsenen-Ich“ zu reagieren und in Form der Feedback-Regeln oder GfK zu äußern, was dann gerade in mir vorgeht. Wir machen langsam Fortschritte, echt langsam. Das liegt sicher daran, weil unsere Persönlichkeiten in unseren Alter so gefestigt sind.
    Obwohl es oft wehtut, finde ich es spannend und sage immer wieder zu mir: Katrin, du sollst noch etwas lernen! Dein Mann ist so toll und liebt dich so sehr, er will nur das beste aus dir herausholen. Du darfst dich noch weiter entwickeln. Das hilft!!!

    … und das einmal aufzuschreiben hat auch geholfen.

    Danke dafür

  2. Liebe Katrin, vielen Dank für deinen sehr persönlichen Beitrag. Gerade bei den Menschen, die uns am wichtigsten sind, tappen wir oft in alte Fallen. Aber es klingt so, als ob du / ihr sehr reflektiert damit umgeht. Es ist sicher immer wichtig zu sehen, woher beide Partner kommen, was sie gegprägt hat. Und welche gute Absicht hinter dem Verhalten steckt, das uns manchmal einengt oder ärgert. Da hilft tatsächlich nur reden und Geduld haben und sich an kleinen Schritten freuen. Ich habe in meiner langjährigen Ehe auch die Erfahrung gemacht, dass die Beziehung immer auch eine Entwicklungsaufgabe ist und wir viel voneinander lernen können. Und im Anderssein des Liebsten die Chance des sich Näherkommens zu erkennen. Das geht mal leichter und mal schwerer. Ein Freund von mir hat mal gesagt: Liebe ist eine Kette von Trennungen. Das sehe ich ganz genauso. Und mache die Erfahrung, dass jede bewältigte und durchlebte Phase des gefühlten Getrenntseins wieder ein Stück Liebe hat wachsen lassen.
    Ganz herzliche Grüße und danke für deinen Impuls
    Alexandra

  3. Hi, Alexandra!

    Toller Artikel! Freut mich ( bitte richtig verstehen!) dass Du solche Zustände auch aus eigener Anschauung kennst. Deshalb, weil man es nur dann wirklich verstehen kann-oder können sollte… verde immer kreuzwütend, wenn jemand ungerecht ist-zu mir oder zu anderen-da kann ich dann auch mal vor Wut heulen, weil absichtiliche Ungerechtikeit einfach bösartig ist und was mich daran so aufregt, ist die Vorstellung, dass jamand mit so etwas durchkommt und die Machtlosigkeit, die man fühlt, wenn jemand unfair ist. LG Felcitas

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