“Ich habe den Stress ignoriert, einfach immer weitergemacht. Weil ich nie gedacht hätte, dass mir sowas mal passiert. Bis ich nicht mehr konnte und dann umgekippt bin und mich nicht mehr bewegen konnte. Das war wie ein Alptraum”. Das erzählt mir eine blasse Frau, die nach einem Zusammenbruch durch zuviel Stress im Job mit einer Erschöpfungsdepression zu mir kommt.

 

 

Stress als Statussymbol

Für die einen ist Stress ein Statussymbol – für die anderen ein Zustand in ihrem Leben, der krank macht.

Oft gehört es zum guten Ton unter Kollegen, sich gegenseitig zu erzählen, wie viel Stress man gerade hat. Ich erinnere mich noch gut an meine Zeiten im Projektmanagement. Am Kaffeetisch hatte jeder eine lange Projektliste, über die er stöhnen konnte, die der Chef vielleicht gerade heute früh noch durch neue Projekte verlängert hat. Es ist eine wohltuende Gemeinsamkeit, über die man sich beklagen kann. Und manchmal auch ein gegenseitiges sich messen: Wer schafft noch mehr, wer ist noch unentbehrlicher, wer noch belastbarer?

 

Wenn der Stress zur Bedrohung wird

Aber es gibt auch Stress, der tiefer geht, der für Menschen wie eine Bedrohung ist. Der „nicht nur“ das gegenseitige Jammern zum Zweck hat. Das ist oft gar nicht so leicht zu unterscheiden, wenn es zur Firmenkultur dazugehört und schon zu einer Gewohnheit geworden ist.

Jeder Mensch muss selbst entscheiden, ob der Stress schon zur Bedrohung geworden ist. Ob er sich in einem Kreislauf befindet, der ihn in eine Abwärtsspirale bringt. Und Seele und Körper schadet. Dafür ist es wichtig genau hinzuschauen und zu spüren, ob es der normale „Alltags-Jammer-Stress“ ist – oder ein bedrohlich überfordernder Stress, der negative Folgen haben kann.

In meiner Arbeit als Therapeutin in einer Akutklinik sehe ich jede Woche Menschen, die die akuten Stressanzeichen nicht erkannt oder beachtet haben. Manchmal wurden sie von den Kollegen und Vorgesetzten auch nicht ernstgenommen  – weil Jammern über Stress ja dazugehört. Und sich oft nur eine allgemeine Unzufriedenheit dahinter verbirgt.

Erst wenn der Tinnitus sich meldet, man einen Bandscheibenvorfall hatte, Herzrasen einsetzt – dann wird vielen klar, dass der Stress zu viel war.

 

Der Körper ist der Übersetzer der Seele

Wir Menschen haben verlernt, auf unseren Körper zu hören. Dabei ist er der Übersetzer der Seele. Es gibt den schönen Satz: Die Seele sagt zum Körper: Sprich du mit ihm, auf mich hört er nicht.

Deshalb ist es so wichtig, im Alltag regelmäßig im Kontakt mit sich und seinem Körper zu sein, sich zu spüren, kurz inne zu halten. Und die sogenannten „somatischen Marker“, die Körperempfindungen zu spüren. Es geht nicht um lange Pausen, sondern nur das kurz Anhalten und Durchatmen auf der Marathonstrecke des Alltags.

So als ob du Auto fährst und kurz wahrnimmst, in welchem Gang du gerade bist und ob es gut wäre, mal einen Gang runter zu schalten. So lange du mit der Aufmerksamkeit nur auf der Straße bist oder schon bei dem, was du später noch alles zu erledigen hast, wirst du oft gar nicht merken, dass der Motor viel zu hochtourig läuft.

 

Mit Achtsamkeit lässt sich Stress regulieren

Seit ich mich mit dem Thema Achtsamkeit beschäftige, merke ich immer mehr, wie viel leistungsfähiger und kreativer ich sein kann  –  wenn ich mal einen Gang runterschalte. Und nicht versuche, noch mehr Dinge gleichzeitig und noch schneller zu erledigen.

Im Umgang mit Stress ist Achtsamkeit ein großes und wichtiges Thema. Nur wenn ich wahrnehme, dass ich gestresst bin, kann ich etwas dagegen tun. Möglichst bevor mein Körper der Übersetzer der Seele sein muss. Und Stress lässt sich regulieren, wenn ich rechtzeitig wahrnehme, wie viel Raum er einnimmt und mit Entspannung dagegen steure.

 

Hier sind meine 10 besten Tipps gegen Stress
– und für einen achtsamen und wertschätzenden Umgang mit sich selbst:

1.Innehalten
3 x am Tag innehalten und 3x durchatmen. Am besten feste Zeiten dafür einplanen und abends in einer Liste drei Striche machen.
Wirkung: Beruhigt das vegetative Nervensystem, verbindet mit den eigenen Emotionen und schenkt neue Energie.

2. Positive Ziele setzen
Morgens vor dem Aufstehen den Satz zu sich sagen: Ich darf alles in meinem Tempo tun und auf meine Grenzen achten.
Wirkung: Hilft sich auf ein positives Ziel auszurichten und negative Gedankenmuster zu unterbrechen.

3. Ein Symbol für Gelassenheit finden
Ein Symbol auf den Schreibtisch legen, dass man mit dem Begriff „Gelassenheit“ verbindet. Das kann eine Muschel, eine Feder, eine Postkarte sein.
Wirkung: Durch das Symbol wird das Unterbewusstsein immer wieder an das Ziel der Gelassenheit erinnert. Denn das Unbewusste denkt in Bildern.

4. Spaziergang
In der Mittagspause oder nach der Arbeit einen Spaziergang machen.
Wirkung: Das schenkt Abstand, der Körper erholt sich und beim Gehen vernetzen sich die Gehirnhälften – so kann man wieder kreativer arbeiten.

5.Gedankenspiralen stoppen
Die Wahrnehmungsübung: 5 Dinge die ich sehe…
Zuerst fünf Dinge benennen, die ich sehe. Dann fünf Dinge benennen, die ich höre. Und schließlich fünf Dinge benennen, die ich spüre.
Wirkung: Hilft aus Gedankenspiralen auszusteigen und ins Hier und Jetzt zu kommen.

6. Sich positiv aufladen
Dreimal sagen: Danke ich bin Liebe, danke ich vertraue, danke ich bin Freude. Nach einem Durchgang durchatmen.
Wirkung: Liebe, Dank und Vertrauen sind sehr positiv besetzte Wörter, die positive Energie und Gedanken schenken.

7. Dankbarkeit
Fünf Dinge benennen, für die ich dankbar bin.
Wirkung: Das hilft dem Gehirn, sich auf das Positive zu konzentrieren und die Perspektive zu wechseln.

8. To dos Aufschreiben
In ein Buch oder eine Liste aufschreiben, was ich zu tun habe und abhaken.
Wirkung: So gebe ich mir selbst eine Struktur und sehe Erfolge und Fortschritte. Und das Gehirn wird durch das Aufschreiben entlastet.

9. Pausen machen
Regelmäßig kleine Pausen einbauen: Jede Stunde aufstehen, ein paar Schritte gehen, etwas trinken. Am besten mit einem Timer an die Pause erinnern lassen.
Wirkung: Es ist erwiesen, dass Pausen für entspanntes und effizientes arbeiten sehr wichtig sind.

10. Freude verschenken
Jemand anderem etwas Positives sagen, ein Lob aussprechen, Wertschätzung zeigen.
Wirkung: Wenn ich jemand anderem eine Freude mache, kommt diese Freude auch zu mir zurück. Und es werden Glückshormone ausgeschüttet, der Körper entspannt sich.

Suche dir jeden Tag einen Tipp aus und probiere, was für einen Unterschied es macht. Und versuche so in kleinen Schritten, den alltäglichen Stress zu regulieren. Um entspannter erfolgreich zu sein.

Und schreibe mir gerne, welcher Tipp für dich hilfreich war. Oder was du selbst nutzt, um vom Stress wieder in die Gelassenheit zu kommen.

Und hier noch ein kleines Geschenk für dich: Eine geführte Meditation für mehr Gelassenheit. Du kannst sie hören, wenn du dich gestresst fühlst und dir mehr Enspannung und Gelassenheit wünschst.

Meditation anhören

 

Viele gute Erfahrungen und einen wunderbaren Start in den Mai wünscht dir

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