Vor vier Jahren wurde ich abrupt und unerwartet zum Innehalten gezwungen. Ich kam an einem sonnigen Morgen ins Büro, mein Chef rief an und bat mich zu einem Gespräch. Wir hatten ein gutes Verhältnis, ich ging entspannt zu ihm. Aber seine Nachricht warf mich ziemlich aus der Bahn. Meine Gedanken und Gefühle gingen auf eine wilder Achterbahnfahrt.

 

In jedem Problem steckt auch eine Lösung

Er sagte mir, dass ich die Abteilung wechseln muss. Seit 18 Jahren arbeitete ich Spieleredakteurin und war Teil eines tollen Kollegenteams. Es gab in einer anderen Abteilung Bedarf – die Wahl sei auf mich gefallen. Ich fragte, ob ich auch Nein sagen könnte. Er schüttelte den Kopf. In mir wurde es dunkel und ich schaltete um auf: Lösung finden und so gut wie möglich funktionieren. Es war eine Arbeit, die ich mir in keinster Weise vorstellen konnte. Ich sollte elektronische Spiele für unsere Tochtergesellschaften umsetzen. Das bedeutete viel Elektronik, Zahlen und Programmierungen – für mich als Pädagogin ein einziger Alptraum. Mein Chef traute mir zu, dass ich das schaffen würde. Meine innere Kämpferin richtete sich auf und machte sich bereit, es zu versuchen. Vielleicht würde es ja doch gut.

Zum Glück hatte ich auf meinem persönlichen Entwicklungsweg gelernt, dass in jedem Problem auch eine Lösung steckt und die Chance, daran zu wachsen.

Aber es war schlimmer als ich gedacht hatte. Der Abschied von den liebgewonnen Kolleginnen (die diese Entscheidung auch nicht verstehen konnten) war schmerzlich. Die neuen Kollegen waren überlastet, hatten keine Zeit, mich einzuarbeiten. Ich musste Dinge tun, von denen ich keine Ahnung hatte, die mir das (alte) Gefühl gaben, dass ich unfähig bin und nichts kann. Der Gang zur Arbeit wurde jeden Tag schwerer.

 

 

Die Krise war wie eine Sackgasse aus der es keinen Ausweg gab

Und es kam, wie es kommen musste: Mein Körper streikte: Ich konnte nicht mehr schlafen, lag stundenlang wach und hatte Angst vor dem nächsten Tag. Eine tiefe Erschöpfung breitete sich in mir aus. Nichts machte mir mehr Freude.

In dieser Zeit hatten wir noch eine Eigenbedarfskündigung, mussten ein neues Haus suchen und einen großen Umzug stemmen. Es war zu viel. Ich wurde krank. Wenn ich zu Hause war, brach ich in Tränen aus, fühlte mich ohnmächtig und hatte jede Menge Versagensängste. Aber ein Gespräch mit meinem Chef und die Bitte, mich in mein altes Team zu lassen war sinnlos. Die Tür war zu. Nach 18 Jahren in der Sackgasse aus der ich keinen Ausweg sehen konnte.

Eines Morgens lief ich meine Joggingrunde durch den nebligen Wald. Blieb stehen und weinte. Weinte meine Angst aus mir heraus, meine Enttäuschung und hielt für einen Moment inne. Sah den Rauhreif in den Bäumen, spürte die Stille und Ruhe des Waldes. Und ließ einfach los. In diesem Moment des Innehaltens spürte ich, dass ich an einem Punkt war, an dem ich nichts mehr tun konnte als loslassen und vertrauen, dass der Weg sich vor mir ebnet. Dass ich aufhören darf zu kämpfen. Gegen mich selbst. Gegen diese Entwicklung, die mich zutiefst verletzte, in der ich mich nicht gesehen fühlte und mit alten Ängsten konfrontiert wurde.

 

 

Die dunkle und schmerzliche Seite beim Innehalten

Innehalten ist nicht immer angenehm. Es kommen auch schmerzliche Gefühle hoch. Ängste, Wut, Traurigkeit, Scham. Alte Glaubenssätze tauchen auf und machen es sich im täglichen Denken gemütlich. Wie ungebetene Gäste auf einem großen Sofa, die nicht mehr zu verteiben sind. 

Aber das ist nur die erste Schicht. Unter der so viel mehr verborgen ist. Viel zu oft haben wir Angst, uns mit dieser ersten Schicht zu beschäftigen. Aus Angst, die Gefühle nicht aushalten zu können, die sich dann melden.

Dabei sind Gefühle wie Meereswellen. Sie bahnen sich den Weg an den Strand unseres Bewusstseins  – und ziehen sich dann wieder zurück. Ins Meer des Lebens. Wir können sie wie Sand durch unsere Finger rieseln lassen. Danach kehrt Ruhe ein.

Oftmals entsteht eine tiefe Stille in uns. Eine Erleichterung. Wir sind wieder verbunden mit den inneren Bewegungen unseres Seins. Spüren für einen Moment, das alles im Fluss ist. Und wir nicht gegen den Strom schwimmen müssen. Uns treiben lassen dürfen.

Innehalten heißt auch, das Alleinsein auszuhalten. Der Angst vor unseren inneren Abgründen entgegenzutreten. Mutig in sie hinabzuschauen. Und das Licht in ihnen zu entdecken, die Weite die sich dort zeigt.

Das Innehalten kann manchmal länger dauern, als uns lieb ist. Es wird unruhig in uns. Die Zweifel melden sich.

 

Was beim Innehalten hilft und Kraft gibt

Meine Zeit des Innehaltens war ein Hin und Herpendeln zwischen der Zuversicht auf das was kommt und der Angst des Absturzes. Angst vor finanziellen Problemen, mich beruflich zu verschlechtern und dem Alten hinterher zu trauern.

Was mir in dieser Zeit des Innehaltens half? Ich meditierte und versuchte jeden Tag, mich mit meiner Herzintelligenz, meiner Intuition zu verbinden. Weil ich tief in mir wusste, dass sie den Weg für mich kennt.
Wie Meditation in diesen herausfordernden Zeiten für Halt sorgt, kannst du hier lesen.

Mein Verstand war davon nicht begeistert. Er ist ja immer der Meinung, dass wir einen Plan brauchen, Sicherheiten schaffen müssen. Aber in dieser Situatin konnte ich nichts planen. Ich ging viel in die Natur. Sah, wie sie sich im Winter zurückgezogen hatte, ihre Kräfte sammelte und bündelte. Um im Frühling wieder das Wunder des Aufblühens geschehen zu lassen. Verankerte dieses Bild in mir um darauf zu vertrauen, dass auf meinem beruflichen Weg wieder etwas aufblühen würde. Sich in mir etwas sortierte, was ich noch nicht sehen konnte.

Innehalten ist oft wie eine Mutprobe. Wir spüren, dass das Alte nicht mehr passt, wir aus etwas herausgewachsen sind. Hätten beim Innehalten gerne die Antwort, die Lösung. Dabei vergessen wir einen Zwischenschritt. Den der Stille, in der der Lärm unserer Gedanken zum Vorschein kommt. Dass Ratlosigkeit sich breit macht und innerliche alles wie ein großes Durcheinander ist. Es ist eine Idealvorstellung, dass wir in die Stille gehen und dort sofort den Raum der Erkenntnisse und der Weisheit betreten.

 

 

 

Das Innehalten als Station auf dem Weg unserer Heldenreise

Innehalten hat oft zu tun mit unserer inneren Heldenreise. Auf der wir immer wieder Hindernisse zu überwinden haben – an denen wir wachsen. Diese Hindernisse zeigen sich zuerst als Angst vor dem Lärm, dem Durcheinander in uns. Danach kommt das scheinbare Nichts: Nichts wissen, nichts mehr glauben, nichts mehr tun können.

Wer den Mut hat, sich auf diese Hindernisse einzulassen der weiß: Es taucht dahinter etwas in mir auf. Eine Kraft, die mir Halt in mir selbst gibt. Die ganz leise und mit viel Wärme mit mir in Kontakt tritt. Die mit ihren Impulsen nachwirkt in mir und meinem Leben. Damit sich dann wie mit einem Windstoß die Veränderung, die wir uns so sehr wünschen, ihren Weg bahnt.

In meiner Zeit des Innehaltens entwickelt ich auf meiner persönlichen Heldenreise neue Fähigkeiten. Ich lernte klar zu bleiben, wenn mich andere mit ihren Argumenten verwirrten. Konnte immer wieder aus der Angst vor der Zukunft heraustreten und mich vertrauensvoll mit dem Unbekannten Neuen verbinden. Es gab gute und schlechte Tage, Höhen und Tiefen. Das Innehalten wurde zu einer Geduldsprobe.
Sehr informative und inspirierende Infos zum Thema “Deine Heldenreise” gibt hier es bei meiner Kollegin Tanja Bischofberger

 

Auch in einer Krise an den Sinn glauben können

Bis dann eines Tages der Anruf kam. Die Klinik, in der ich immer wieder vertretungsweise gearbeitet hatte, bot mir eine Stelle an. Ich war glücklich und im siebten Himmel. Drei Tage später sagten sie wieder ab. Ich fiel in ein großes Loch. Konnte das Innehalten nicht mehr aushalten. War enttäuscht, wütend, verzweifelt. Fragte mich, was dieses Hin und Her denn soll. Verstand den Sinn darin nicht.

Das ist für viele Menschen die große Herausforderung: An den Sinn zu glauben, auch, wenn ich den Zusammenhang gerade nicht erkennen kann. Mich dem Prozess, in dem ich mich befinde, anzuvertrauen.

Mir hat in dieser Zeit geholfen, mich an die Zeiten in meinem Leben zu erinnern, in denen es mir ähnlich ging. Auch hier ging es um ein Innehalten und Zurückschauen. Das würdigen, was war. Die Krisen in den Blick zu nehmen, die mich herausgefordert hatten. Und aus denen ich gestärkt und oft mit Wundern der Veränderung hervorgegangen bin.

Ohne das Innehalten wäre ich meiner inneren Angst und den düsteren Gedanken gefolgt, denn unser Gehirn verliert sich gerne im Ausmalen von schwarzen Bildern der Zukunft. Es will uns auf die möglichen Gefahren aufmerksam machen. Eigentlich eine gute Absicht. Aber es zieht uns damit in einen Strudel der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.

Wenn wir uns einen Moment des Innehaltens schenken und auf die Entwicklung unseres Lebens schauen, tauchen unter diesen düsteren Gedanken viele Hoffnungsschimmer auf. Die uns innerlich wärmen und Kraft schenken.

 

Innehalten um Halt in sich selbst zu finden

Letztendlich ging meine erzwungene Zeit des Innehaltens gut aus. Viel besser, als ich dachte. Die Klinikleitung fand dann doch einen Weg, mir die Stelle zu geben. Ich hatte auch sehr klar gesagt, dass ich nur noch mit einem festen Vertrag komme (was ich nach der ersten Absage schon fast bereut hätte). Ich war meiner Intuition gefolgt, wollte mich nicht unter Wert und zu Bedingungen dorthin begeben, die für mich nicht mehr passten.

Und so wurde der Traum von meiner Berufung wahr, der ich schon einige Jahre gefolgt war. Ich durfte als Therapeutin arbeiten, Menschen auf ihrem Weg begleiten. Diese Station meiner Heldenreise zu meiner Berufung hatte mich sehr herausgefordert. Tränen und Mut gekostet. Wurde wieder zu einer Etappe in meinem Leben, in der ich über mich selbst hinausgewachsen bin. Hin zu dem Menschen, der sich in mir entfalten möchte.

In dieser Zeit begleitet ich eine Patientin, die mir zum Abschied den Spruch schenkte:

Seitdem weiß ich, wie wichtig es ist, inne zu halten. Um Halt in sich selbst zu finden.

Auch jetzt in der Weihnachtszeit werde ich innehalten und in mich hineinhören. Mich nicht vom äußeren Lärm um diese wunderbare und besondere Zeit bringen lassen. Mich dem Jahresende bewusst zuwenden. Dankbar sein, für das was war. Das Verabschieden, was gehen darf. Mich dem zuwenden, was neu werden möchte.
Wann nimmst du dir Zeit um Innehalten? Und schenkst dir selbst von innen Halt?

Eine gute Zeit und viel inneren Halt wünscht dir

Expterin für ein starkes und gesundes Selbstbewusstsein
Deine Mentorin auf dem Weg zu einer wunderbaren Freundschaft mit dir selbst

 

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