Wie du den Ruf in dir hörst – und deine Berufung findest

30 Juni 2020 | 2 Kommentare

Schon wieder ist er da – dieser Gedanke. Klopft mal laut, mal leise an. Mein Herz wird weit, wenn er in mir auftaucht. Aber mein Verstand runzelt die Stirn. Solche Luftschlösser hat er gar nicht gern.

Sie taugen in seiner Welt nicht viel. Da muss alles Hand und Fuß haben, planbar und logisch erklärbar sein.

 

Ein Gedanke wie ein Sauerteig

Trotzdem lässt der Gedanke sich nicht vertreiben. Er ist wie ein Sauerteig, der mit sanften aber nie versiegender Kraft den Teig unseres Lebens aufgehen lässt.

Das was uns nährt, was uns Sinn und Erfüllung schenkt, wird von ihm immer wieder zum Wachsen gebracht. Gärt in den Tiefen unserer Seele, wächst und wird größer. Bis es wieder in unserem Bewusstsein auftaucht.

Wusstest du, dass es Sauerteig gibt, der schon 200 Jahre alt ist. Und immer noch seine Kraft entfaltet. Er hört nie auf, etwas in Bewegung zu bringen. Stillstand kennt er nicht. So ist das auch mit einigen Gedanken, die uns immer wieder in unserem Leben begleiten.

Dieser Sauerteiggedanke in mir, der immer wieder aufgetaucht ist, war der Wunsch nach meiner Berufung.

 

Das große Glück – und der große Schreck

Als ich zwanzig war, tauchte er das erste Mal auf. Während ich Gemeindepädagogik an einer kleinen, überschaubaren Fachhochschule in Darmstadt studierte.

Von Kommilitonen hörte ich, wie viele hilfreiche und unterstützende therapeutische Ausbildungen es gibt. Mit denen man als Therapeut Menschen auf ihrem nicht immer leichten Weg begleiten kann.

„Das will ich machen! Als Therapeutin arbeiten“. Da war er. Wenn er eine Farbe hätte wäre es eine Mischung klatschmohnrot, sonnengelb und einem warmen dunkelorange. Mein innerer Garten der Freude blüht auf, das Wissen in mir fühlt sich an wie ein Geschenk, das ganz unverhofft zu mir kam.

Kurz darauf kam der große Schreck. Die Kosten für die Ausbildung zur Gestalttherapeutin, (das war lange mein Favorit) lagen bei 50.000 Euro. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Es fühlte sich an wie eine völlig unerwartete kalte Dusche. Bei der ich vor Schreck die Luft anhielt. Mein Traum rückte in weite Ferne. Ich fand mich damit ab, erst mal kleine Brötchen zu backen und arbeitete als Dekanatsjugendreferentin.

 

Der Weg durch die Dornenhecke

Ging dann beruflich andere Wege: Werbeagentur, kleiner Verlag, großer Verlag, Spieleredakteurin, Projektmanagement. Der Gedanke war verstummt.

Mein Weg zum Ziel schien mir viel zu weit, unerreichbar hinter einer Dornenhecke versteckt, durch die mein Verstand kein Durchkommen sah.

Aber das was ich beruflich machte, erfüllte mich nicht. Es war ein toller Job, großartige Kollegen, viel Entfaltungsmöglichkeit. Aber etwas fehlte. Es war der direkte Kontakt mit Menschen, den ich vermisste.

Die schönsten Momente in meiner Arbeit als Spieleredakteurin erlebte ich, wenn ich Prototypen im Kindergarten testen musste.

Das fröhliche, aufgeregte Geplapper der Kinder, die leuchtenden Augen, wenn ich ihnen erzählte, dass es dieses Spiel noch gar nicht gibt und sie sagen dürfen, wie sie es finden. (Oft waren sie der Meinung, dass sie genau dieses Spiel aber schon Zuhause hätten…)

Manch kleine Hand, die sich in meine schob und ein leises Stimmchen, das mich fragte: Wann kommst du wieder?

 

Der Sauerteig gärt weiter in mir

Als meine eigene Tochter zur Welt kam gärte der Sauerteig in mir wieder stärker. Mit ihr tat sich eine neue Welt auf. Die Frage, was wirklich wichtig und für mich sinnvoll ist, rumorte in mir.

Und der Gedanke nach meiner Berufung setzte sich immer wieder auf den schwankenden Ast der inneren Unzufriedenheit in meinem Kopf. Er wurde wieder leiser. Mein Alltag war ausgefüllt mit kleinem Kind, Halbtagsjob, Haushalt und Garten.

Als meine Tochter drei Jahre alt war, quoll der Sauerteig aus meinem Inneren immer weiter nach oben in mein Bewusstsein.

Noch fünfzehn Jahre den gleichen Job machen?  Jahr für Jahr die gleichen Abläufe?

Bis zum Lebensende im geichen Unternehmen immer mehr Produkte machen, die meist nur kurz im Markt waren und dann wieder verschwanden? In mir war ein klares Nein zu dieser Zukunftsvision.

Trotzdem wollte mein Verstand Sicherheit. Zu viele Flausen im Kopf, sagte er mir. Einen Traumjob hast du da, um den dich Andere beneiden. Sicherheit, ein gutes Auskommen.

Der Sauerteig schob ihn zur Seite. Etwas Neues wollte in mein Leben. Durch viele Ängste und Zweifel hindurch.

 

Krisen erwecken den Sauerteig wieder zu Leben

Nach zwei Fehlgeburten ließ sich der Gedanke nicht mehr wegschieben. „Tu etwas, dass dir Freude macht, dir Sinn und Erfüllung schenkt.“

Ich war dankbar, dass ich meine Tochter haben durfte, die sich wunderbar entwickelte. Die meine ganz große Freude und Erfüllung in meinem Leben war und ist. Und daneben gab es noch viel Raum für das, was ich beruflich in die Welt bringen wollte.

Mach dich auf den Weg. Die Türen werden aufgehen“. Der Sauerteig schob sich immer weiter in mein Leben. Er öffnete tatsächlich Türen.

Sehr oft erwecken Krisen in unserem Leben den Sauerteig in uns wieder zum Leben, wenn er viele Jahre keine Gelegenheit hatte, sich in uns zu entfalten.

Krisen schaffen neue Räume in uns. Oft auf schmerzhafte Weise. Sie sind verbunden mit Enttäuschungen. Mit loslassen. MIt vielen Fragen, die neue Gedanken in unser Leben einladen.

 

Das Schicksal unterstützt mich

Ich fand ein Institut, das eine bezahlbare, gute und fundierte Ausbildung in systemischer Therapie anbot. Während ich darüber nachdachte, ob es wohl das Richtige ist, traf ich einen Bekannten, den ich von einer Familienaufstellung kannte.

Er erzählte mir, dass er jetzt eine therapeutische Ausbildung macht, an einem richtig guten Institut. Der Wieslocher Akademie für systemische Lösungen.

Das war genau das, was ich mir ausgeguckt hatte. Das Treffen mit ihm war wie ein Wink des Schicksals.

Eine Freundin von mir lieh mir das Geld. Denn das hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht.

Eine Unterkunft bei alten Freunden in Heidelberg tat sich auf. Ich hatte viele Jahre keinen Kontakt mehr zu ihnen. Schrieb mutig einen Brief, in dem ich fragte, ob ich bei ihnen übernachten könnte. Sie freuten sich sehr und wir genossen während meiner Ausbildung die persönlichen Treffen und Gespräche.

Meine Tochter, die damals noch sehr klein war, wurde liebevoll von meinem Mann und guten Freundin betreut und ich wusste sie in dieser Zeit gut aufgehoben. (Auch wenn ich während der Fortbildungen Sehnsucht nach ihr hatte und sie vermisste).

 

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt

Alles fügte sich ganz leicht. Ein neuer Lebensabschnitt begann, mein innerer Sauerteig war nicht aufzuhalten. Ganz neue Erfahrungen und Erkenntnisse nahmen sich Raum in meinem Leben, nährten mich und ließen mich wachsen.

Der innere Ruf, der wie ein Sauerteig all die Jahre in mir arbeitete und gärte – er hatte sich Raum genommen. Wie der Brotteig, den ich abends ein einer blauen Schüssel in den Kühlschrank stelle.

Ein kleiner Klumpen Teig auf dem Boden, mit glatter, runder Oberfläche. Am Morgen quillt der Teig aus der Schüssel, hat sich verdreifacht, wird zu einem köstlich duftenden Brot.

Es ging immer weiter mit diesem Sauerteig. Nach meiner Ausbildung fand ich einen Raum, den ich stundenweise mieten konnte.

Mein Coaching Angebot wurde immer besser angenommen, ich wurde weiterempfohlen, mein Terminkalender füllte sich.

 

Türen öffnen sich auf magische Weise

Mein nächster Schritt, den ich mir wünschte, wäre eine halbe Stelle in einer Klinik und meine Praxis. Sagte der Sauerteig in mir, der wachsen wollte.

Er rumorte so lange, bis ich eine Initiativbewerbung an eine Klinik schrieb, die ein ganzheitliches Konzept hatte, das ich sehr überzeugend fand.

Nach zwei Wochen kam die Absage. Mit der Bemerkung: Falls sich etwas tut und wir Bedarf haben, melden wir uns. Ja ja – dachte ich. Und hakte die Klinik ab.

Zwei Monate später klingelte das Telefon, es war der Chefarzt der Klinik. Sie hätten jetzt Bedarf, ob ich nächste Woche anfangen könnte.

Mein Herz hüpfte vor Freude und Aufregung. Wieder wuchs etwas Neues in mein Leben hinein, das meine Berufung lebendig und greifbar machte.

Es war ein langer Weg mit vielen Erfahrungen. So wie eine Sauerteig Zeit braucht, um zu gären, sich zu entfalten, seine Kraft im Außen sichtbar werden zu lassen, so war es mit meinem inneren Ruf, meiner Berufung.

Im Rückblick kann ich sehen, dass alles zur richtigen Zeit kam. Bin immer wieder dankbar, wie viele Türen sich auf magische (für den Verstand unvorstellbare) Weise geöffnet haben.

 

Der Ruf kommt aus der inneren Quelle

Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, auf diesen inneren Ruf zu hören. Ihn nicht zu überhören, abzutun und für immer zu begraben.

Denn er kommt aus einer inneren Quelle in uns. Eine Quelle, die mit unserer Einzigartigkeit und dem, was wir dem Leben geben können, verbunden ist. Und mit der Herzintelligenz, der weisen und liebevollen Instanz in uns.

Dr. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie sagt, dass das tiefste Bedürfnis in uns ist, Sinn in unserem Leben zu finden, ihm Bedeutung zu geben.

Viktor Frankl war Neurologe und Psychiater, überlebte das KZ in Auschwitz und Dachau hat dort seine ganze Familie verloren und sieht in der eigenen Berufung ein wesentliches Element für ein erfülltes Leben. Durch alles Leid hindurch.

Es ist ein Grundbedürfnis zu wissen, dass wir etwas Sinnvolles tun. Mit unseren Fähigkeiten und Talenten etwas bewirken können. Das die Welt vielleicht ein bisschen besser machen kann.

Daran will uns dieser innere Ruf, der wie ein Sauerteig in uns arbeitet, immer wieder erinnern.

 

Der Sauerteig und seine gute Absicht

Hast du den Ruf in dir schon gehört und wahrgenommen? Taucht er immer wieder auf und klopft in deinen Gedanken an, erinnert dich an alte Träume und Wünsche?

Dann nimmt dir Zeit und Raum für ihn. Lass ihn gären, vertraue auf seine Kraft. Denn er hat eine gute Absicht.

Die innere Quelle fließt durch unser Leben als das leise, aber unendliche Plätschern der Intuition. Die sich liebevoll, weise, mitfühlend und unterstützend mit uns in Verbindung setzt.

Sie macht den Ruf für uns hörbar und spürbar. Sie ist die leise Stimme, die sich in der Stille meldet, uns auffordert, unseren Weg im Vertrauen weiterzugehen.

 

Wie du den Ruf in dir hören und ihm Raum geben kannst

Jeder Mensch hört in seinem Leben immer wieder einen inneren Ruf, der ihn zu einem seiner Herzenwünsche und Bestimmungen führen möchte.

Durch die ständige Geschäftigkeit und die Orientierung auf unseren Verstand und die Außenwelt überhören wir ihn oft.

 

Was kannst du tun, um den Ruf in dir zu hören?

#1 Frage dich, ob du wirklich bereit bist ihn zu hören. Oder ob innere Einwände und Ängste dich davon abhalten. Wenn es Einwände und Ängste gibt, dann erforsche und hinterfrage sie. Sie haben meist eine wichtige Botschaft für dich.

#2 Nimm dir Zeit zum Innehalten. Um wahrzunehmen, welche Gedanken sich in dir melden, was dich beschäftigt, wohin deine Aufmerksamkeit geht. Sei ein freundlicher Beobachter deiner Selbst und gib dem was in dir ist Raum.

#3 Mache eine Herzmeditation, (hier findest du sie als kurze geführte Meditation) damit deine Wahrnehmung über den Kanal der Herzintelligenz verläuft. In der Verbindung mit der Herzintelligenz kann sich der Ruf in uns melden. Nimm die Welt mit den Augen und Ohren des Herzens wahr.

#4 Führe ein kleines Tagbuch, in das du deine Eindrücke, Wahrnehmungen und Gedanken zu diesem Thema festhältst. Lies jeweils am Ende der Woche alles noch einmal durch. Und schreibe auf, was dein Fazit für diese Woche ist.

 

Schreibübung „Mein Ruf“

Beim Schreiben sortiert sich viel in uns, kommt an die Oberfläche und es entstehen wunderbare Botschaften des Herzens. Für eine kreative Schreibübung musst du nicht gut schreiben können. Sich Themen von der Seele zu schreiben und beim Schreiben tiefer in sich einzutauchen ist eine natürliche Fähigkeit, die wir alle in uns tragen.Hier ist die Schreibübung:

Sammle auf einem Blatt Papier alle Begriffe, die dir zum Wort „RUF“ einfallen.

Schau dir die Begriffe an und schreibe mit allen, die dir wichtig erscheinen, einen Text. Nutze dazu die Technik des kreativen Schreibens. Schreib zwanzig Minuten ohne viel Nachzudenken und lass es einfach aus dir herausfließen.

Überfliege dann den Text und markiere die Stellen und Sätze, mit denen du in Resonanz gehst.

Schreibe sie auf ein weiteres Blatt Papier. Und schreibe daraus eine Essenz deines Textes.

Du kannst dazu auch neue Wörter verwenden und die weglassen, die beim Schreiben nicht passen.

Diese Essenz ist deine Botschaft. Das was für dich im Moment zum Thema „Mein Ruf“ wichtig ist.

 

Fragen helfen uns, den Ruf in uns lauter werden zu lasen

Fragen bringen innere Bewegungen hervor. Und geben unseren Gedanken eine neue Richtung. Frage dich;

  1. Was würdest du tun, wenn du alle Kraft und Energie auf der Welt hättest?
  2. Was würdest du tun, wenn du unbegrenzt Mut und vor nichts Angst hättest?
  3. Welche Wünsche und Träume würdest du dir erfüllen, wenn Geld keine Rolle spielt?
  4. Welche Menschen inspirieren dich und sind ein Vorbild für dich?
  5. Was für einen Unterschied würde dein Ruf in deinem Leben machen?
  6. Wie würde dein Leben sich verändern, wenn du den Ruf hören könntest?

 

Das eigene Potential in die Welt bringen

Es gibt viele Menschen, die die Ohren ihres Herzens öffnen und den Ruf in sich hören. Es werden immer mehr.

Der Sauerteig in uns allen arbeitet mit seiner wunderbaren Kraft unermüdlich dafür, dass wir unser Potential in diese Welt bringen.

Und in tiefer Verbundenheit mit allem was ist Raum schaffen für das Gute, das Positive, das wundervolle Wachstum, für das wir bestimmt sind.

Vertraue dieser Kraft in dir. Und habe den Mut, den Ruf in dir zu hören.

 

Als Geschenk habe ich noch eine geführte Meditaton für dich: Innerer Ruf.
Lass dich von meiner Stimme an die Hand nehmen und finde den Weg zu deinem inneren Ruf.

 

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade von meiner Kollegin Margaretha Schedler „Das Leben ist wie ein Sauerteig“

Herzliche Grüße auf dem Weg zu einer wunderbaren Freundschaft mit dir selbst

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2 Kommentare

  1. Liebe Alexandra,

    ich hab einfach nur gedacht: Wow, was für ein Artikel. Sauerteig und meinen inneren Ruf habe ich in meinen Gedanken nicht zusammengebracht. Aber du hast es wunderbar formuliert. Vielen Dank.

    Edith

  2. Liebe Edith, danke für dein Feedback. Dein WOW freut mich natürlich sehr. Und dass es für dich ein ganz neuer Gedanke ist. Ich wünsche dir, dass dein innerer Ruf dich auch immer wieder wie ein Sauerteig begleitet. Herzliche Grüße – Alexandra

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