Manchmal überfällt sie mich ganz plötzlich, wo wie ein kalter Windhauch, der an mir vorüberzieht, dann umdreht, und sich wie eine Nebelwolke über mich legt. Die Traurigkeit.

Es gibt kleine und große Traurigkeiten in meinem Leben. So wie es kleine und großen Freuden- und Glücksmomente gibt. Die Traurigkeiten sind für mich dunkle und stille Momente im Leben. Zeiten, in denen die Helligkeit in die Dämmerung eintaucht, der Körper und die Seele Ruhe und Rückzug braucht.

Früher hat mir meine Traurigkeit manchmal Angst gemacht. Weil ich vor vielen Jahren nach einer Trennung in den dunklen Abgrund einer Depression gestürzt bin. Und trotz vieler Schmerzen daran wachsen durfte.
Den  Blogbeitrag dazu kannst du hier lesen.

Heute weiß ich, dass die Traurigkeit nur für eine begrenzte Zeit bei mir anklopft und sich wie ein  scheuer Vogel auf meiner Schulter niederlässt. Sie lässt sich nicht greifen, flattert hastig davon, wenn ich nach ihr packen und sie verscheuchen will. Aber manchmal schenkt sie mir auch ein friedliches Gefühl, wenn ich stillhalte und ihr Dasein zulasse.

 

 

 

Was die Forschung zum Gefühl der Traurigkeit sagt

Traurigkeit gehört zu unserem Leben und zu unserem Sein als Mensch dazu. Wir können sie nicht ausklammern und vermeiden. Denn Traurigkeit ist eines unserer fünf Grundgefühle.

Diese fünf sind:
Angst, Freude, Traurigkeit, Wut, Scham. Sie sind Teil unseres Menschseins und unterstützen uns dabei, uns selbst zu spüren und Heilungs- und Veränderungsprozesse zu durchleben.

Es ist in Forscherkreisen unstrittig, dass Traurigkeit eine der wichtigsten Emotionen des Menschen ist. So schreibt etwa der britische Biologe Lewis Wolpert im Fachblatt „Philosophy, Ethics, and Humanities in Medicine“: „Traurigkeit ist eine universelle Emotion, zu der auch ein allgemein bekannter Gesichtsausdruck gehört, der in vielen verschiedenen Kulturen erkannt wird.“ Überall auf der Welt wissen Menschen also, was „traurig sein“ bedeutet. Das Gefühl entsteht in der Regel als Reaktion auf einen Verlust – auf den Tod eines geliebten Menschen zum Beispiel, aber auch auf Trennung, mangelnden Erfolg im Beruf, Status- oder Geldverlust. Die Traurigkeit hat einen biologischen Sinn: Sie setzt uns eine Weile außer Gefecht und zwingt uns, über unsere Probleme nachzudenken und eine Lösung zu suchen.

https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article3052396/Warum-Depressionen-auch-heilsam-sein-koennen.html

 

Wo hat deine Traurigkeit dir eine neue Erkenntnis oder eine Lösung geschenkt?

Eine meiner Traurigkeiten in diesem Jahr war die schmerzliche Veränderung einer Freundschaft, die mir sehr am Herzen liegt. Eine  Freundin, die sich Stück für Stück aus meinem Leben zurückgezogen hat. Es hat mich traurig gemacht, dass unsere Nähe und Verbundenheit weniger wurde. Dass ich nichts tun konnte, sie in meinem Leben zu halten. Ihr Verschwinden hat eine uralte Traurigkeit in mir berührt. Die, dass alle Menschen irgendwann aus meinem Leben gehen, mich verlassen. Diese Traurigkeit hat mich vor vielen Jahren in eine Depression gestürzt. Die einige Jahre anhielt.

Was ich aus dieser Traurigkeit dieses Jahr gelernt habe? Dass ich das Schöne was war, in meinem Herzen wie einen Schatz bewahre und dankbar dafür bin. Und es bleibt, auch wenn die Beziehung sich verändert hat. Dass ich den Anderen mit seinem eigenen Weg schätzen kann und darauf vertraue, dass alles so kommt, wie es kommen soll. Ich kann mich Veränderungen hingeben, dem Prozess meines Lebens vertrauen und muss mich nicht dagegen stemmen. Ich kann mein Herz öffnen und in Verbindung bleiben, auch wenn der Andere seinen eigenen Weg gehen muss, um bei sich selbst anzukommen.

 

Traurigkeit kann unseren Schmerz verwandeln

Das alles hat die Traurigkeit mir bewusst gemacht. Dieser Erkenntnisse lagen unter Gefühlen von Enttäuschung, Ärger und Verletzung.

Die Traurigkeit hat mir gezeigt, dass mein Schmerz sich verwandeln kann, wenn ich tiefer schaue, in mich eintauche. Und mir selbst und dem Anderen gegenüber im Mitgefühl bleibe und meine Bewertungen loslasse.

Wo hat dir deine Traurigkeit schon geholfen, eine Lösung zu finden oder etwas Schmerzliches zu verarbeiten? Was waren deine Traurigkeiten in diesem Jahr, die dir vielleicht etwas bewusst gemacht haben?

 

Traurigkeit und wie sie uns in die Tiefe des Lebens führt

Meine Traurigkeit hat mir Wurzeln in mir selbst gegeben. Weil ich durch das Loslassen über meine Angst des Verlassenwerdens hinausgewachsen bin. Und meine Wurzeln stärker geworden sind. Weil ich gelernt habe, dass das Schöne was war, immer bleibt. Und es nicht verschwindet, wenn die Beziehung sich verändert.

Traurigkeit hat ihre eigene Kraft. Sie lässt uns nachdenken, bringt uns dazu, dass wir uns in uns selbst versenken, in uns eintauchen, wie auf den Grund eines tiefen Sees. Mit ihr an unserer Seite können wir den Dingen auf den Grund gehen.

Traurigkeit lädt uns ein, mit uns allein zu bleiben. Auf die leise Stimme in uns zu hören, die uns über die Tiefe des Lebens erzählt. Die uns auffordert, uns mit den Dunkelheiten vertraut zu machen, die Lichtschimmer in ihnen zu entdecken.

Wie gehst du damit um, wenn du selbst traurig bist? Was hilft dir, die Stimme der Traurigkeit in dir zu hören? Wie kannst du die Erkenntnisse für dich wahrnehmen und annehmen?

 

Traurig-Sein – ein Gefühl der Ganzheit

Wenn wir selbst oder andere Menschen traurig sind – was braucht es da? Unser Mitgefühl und unsere Wertschätzung für das, was ist. Dafür müssen wir durchatmen, uns mit unserem Herz verbinden und alle Lösungen und Gedanken loslassen. Einfach da-Sein.

Dann dürfen wir Traurig-Sein, Fröhlich-sein, Glücklich-Sein, Verzweifelt-Sein. Traurig-Sein ist ein Teil unseres Seins.

Sein zu dürfen ist unser Grundbedürfnis. Und keiner unserer Seinszustände ist besser oder schlechter als der andere. Er ist einfach Teil unseres Seins.

Wenn wir alle Seinszustände zulassen, erleben wir Ganzheit, vielleicht sogar Vollkommenheit und Verbundenheit.

 

Das Geschenk der Traurigkeit

Traurigkeit hat auch mit „sich trauen“ zu tun. Sich trauen, die eigenen Tiefen zu erforschen und zu erkunden.

Wie ein Taucher, der immer tiefer taucht, sich auf das Ein-und Ausatmen seines Herzens und seiner Seele konzentriert. Auf das Aufsteigen seines Atems und seiner Gedanken. Die geheimnisvolle und magische Welt unter dem bewussten Alltag entdeckt. Sich selbst auch immer mehr zu vertrauen,

Das ist das Geschenk und die Aufgabe der Traurigkeit: Sich selbst zutrauen, in die eigenen Dunkelheiten einzutauchen. Ohne Angst, dort zu versinken. Aber vielleicht mit Eindrücken und Erkenntnissen aufzutauchen, die dem Leben mehr Tiefe geben. Und dem Sein mehr Vielfalt.

 

 

 

Ich wünsche dir gute Zeiten mit deinen Traurigkeiten
Und wenn du meinen Newsletter abonniert hast, kannst du im Anschluss noch die geführte Meditation für deine Zeiten der Traurigkeit hören, die ich dir mitgeschickt habe.

Herzliche Grüße

 

 

 

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