Wie Freude unser Leben verändert: Tipps für mehr Glück im Alltag

24 März 2024 | 0 Kommentare

„Tut mir leid“, sagte mein Vater. Und ich wurde wieder mal enttäuscht. Zum bestandenen Abi wollte er mir das den alten Alfa Romeo seiner zweiten Frau schenken. Er war stolz auf mich, weil ich die erste in der Familie war, die ihr Abitur gemacht hatte. Und bald mit dem Studium beginnen würde.

Meine Mutter und wir drei Kinder wohnten seit einem halben Jahr außerhalb von Frankfurt, weil unsere Wohnung wegen Eigenbedarf gekündigt worden war. Und eine neue, bezahlbare Bleibe gab es nur auf dem Land. Sie hatte keinen Führerschein und es war mühsam, immer mit dem Zug in die Stadt zu fahren.

Ich hatte Führerschein hatte ich gerade gemacht und die Aussicht auf ein Auto machte mich glücklich. Damit hätten wir endlich wieder mehr Freiheit.

Voller Vorfreude wartete ich auf den Besuch meines Vaters, an dem er mir das Auto bringen wollte. Aber statt dem Auto kam er mit der Nachricht, dass vor ein paar Tagen die Achse gebrochen war. Und eine Reparatur sich nicht mehr lohnen würde.

 

Kein Platz für Freude

In meiner Kindheit und Jugend habe ich gelernt, dass es besser ist, der Vorfreude keinen Platz in meinem Leben zu geben. Weil es oft nichts geworden ist mit der Freude.

Der Ausflug mit der ganzen Familie zum Waldspielplatz fand nicht statt, weil mein Vater lieber rudern gehen wollte. Und meine Mutter saß in der Küche und weinte.

Der gemeinsame Weihnachtsabend, dem ich als Vierjährige zusammen mit meiner Zwillingsschwester entgegenfieberte endete zwischen meinen Eltern in Tränen und Vorwürfen. Und die Freude über die neue Puppe verkroch sich mit mir im Bett.

Es gab viele Enttäuschungen. Weil meine Mutter später als Alleinerziehende in einem Dauerzustand der Überforderung lebte. Und ich nie wusste, ob ihre gute Laune halten würde. Oder sie wieder in einem Abgrund der Verzweiflung versinken würde.

In einem Umfeld, in dem vor allen Dingen Angst und Sorgen, Streit und Verzweiflung an der Tagesordnung sind, kann ein Kind nicht viel über Vorfreude lernen. Es lernt dafür, sich auf die Unsicherheit in seinem Leben einzustellen. Und mit dem Schlimmsten zu rechnen.

 

Unser Gehirn sucht nicht nach Freude

Dazu kommt noch, dass unser Gehirn sich von Natur aus lieber Sorgen macht. Es sucht Probleme, damit wir sie lösen können und unser Überleben gesichert ist.

Deshalb denken viele Menschen, dass es besser ist, sich nicht zu früh zu freuen. Damit der Schmerz der Enttäuschung sie nicht so unerwartet trifft.

Wenn dann noch Erfahrungen aus der Kindheit dazukommen, verkümmert die Vorfreude in uns wie eine Pflanze, die nur selten die Sonne zu sehen bekommt.

 

Vorfreude hilft gegen Stress 

Aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Dass dies nicht nur eine banale Volksweisheit ist, haben die Forscher Samual S. Monford, Hannah E. Stroup und Christian E. Waugh in einer britischen Studie untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass Vorfreude, wie ein Puffer gegen Stress wirken kann.

Sie wiesen nach, dass Personen, die sich auf etwas so Banales wie lustige Comics freuten, Stress besser verarbeiten konnten.

Allein die Vorfreude auf den Moment, die Comics lesen zu können, hob ihre Laune nach einem stressigen Erlebnis gewaltig. Mehr noch: Die Vorfreude auf ein Ereignis nach dem Stress, wirkt viel stärker als etwa schöne Erlebnisse in anstrengenden Momenten nachwirken.

„Die Vorwegnahme eines positiven Ereignisses scheint in einzigartiger Weise in der Lage, positive Emotionen sowohl während als auch nach dem Stress auszulösen“, schreiben die Forschenden. Diese Wirkung lasse Stress viel besser bewältigen und trage enorm zur Erholung bei.

Quelle: „Die Kraft der Vorfreude“

 

Das Gehirn zum Glücksfänger machen 

Auch wenn ich als Kind lernen musste, die Vorfreude aus meinem Leben zu verbannen, kann ich sie heute wieder einladen. Und dem Glück in meinem Alltag mehr Raum geben.

Weil unser Gehirn, auch wenn es kein Glücksfänger ist, die großartige Fähigkeit der Veränderung bis ins hohe Alter hat. Diese Fähigkeit bezeichnet man als Neuroplastizität des Gehirns.

Die Studien der positiven Psychologie zeigen immer deutlicher, wie wir diese Fähigkeit unseres Gehirns für uns nutzen können. Und aus dem Überlebensmodus des Sorgenmachens, der Grübelschleifen und der negativen Erwartungen aussteigen können.

Denn je mehr Freude wir in unser Leben einladen, desto besser können wir mit Enttäuschungen umgehen. Sie gehören sie zu unserem Leben dazu. Unsere Welt ist geprägt von Dualität und besteht aus Licht und Schatten. 

Als Erwachsene haben wir viel mehr Einfluss auf die Welt, als wir es als Kinder hatten.

Meine Erfahrung ist: Je mehr Freude und Dankbarkeit ich in mein Denken und mein Fühlen einlade, desto weniger verschluckt mich die Dunkelheit des Lebens.

 

Gönn dir täglich eine kleine Vorfreude

Ein täglicher, kleiner Schritt, um die Freude einzuladen ist den Fokus auf die Lichtblicke des Tages zu richten.

Eine Kollegin und ehemalige Teilnehmerin meines Delfinstrategie-Seminars hat das in ihrem Beitrag auf Linkedin sehr gut beschrieben. (Sie hat mich übrigens auch zu diesem Beitrag inspiriert. Danke dir liebe Lydia!). Und hier ist Ihre Anregung für mehr Vorfreude:

Seit einigen Wochen habe ich etwas Neues entdeckt – die tägliche kleine Vorfreude.
Morgens direkt nach dem Aufwachen lenke ich meine Gedanken auf die Überlegung „worauf freue ich mich heute?“

Am Anfang war es sehr ungewohnt, bei Regenwetter und unangenehmen Terminen im Kalender einen Lichtblick zu entdecken, auf den ich mich dann freuen wollte. Wie bei allem – Training hilft!

Tatsächlich findet sich in jedem Tag etwas, auf das ich meinen Fokus richten und Vorfreude entwickeln kann. Und wenn noch nichts im Kalender drinsteht, dann plane ich eben etwas hinzu. Vielleicht einen leckeren Nachtisch, ein Telefonat mit einer Freundin, einen 10-Minuten-Abendspaziergang…

Und während ich mir überlege, was ich mir heute Schönes gönnen werde, wächst die Vorfreude, steigt die Stimmung … und der Tag beginnt positiv. Und genau das ist mein heutiger Impuls für Dich: Gönn Dir täglich eine kleine Vorfreude!

 

Jede Woche und jeden Monat eine Freude für dich

Seit einigen Monaten nehme ich mir ganz bewusst Zeit und überlege, welche Freude ich mir selbst machen möchte. Jede Woche eine kleine Freude: Ein Stück Kuchen in meinem Lieblingskaffee, eine Massage, ein Treffen mit einer Freundin, ein Spaziergang am Bodensee, ein Abend mit meiner Tochter. Oder die Frühlingsblumen, die ich vor unserem Haus in die Sonne stelle.

Und ich erinnere mich dann beim schriftlichen Reflektieren immer wieder an die Vorfreude. Mit der Frage: Worauf freue ich mich. Wie ein Feuerwerk schießen Bilder in mir hoch. Und entzünden das Feuer der Vorfreude in mir.

So schließt sich der Kreis der Freude, der mir viel Kraft und Dankbarkeit schenkt. Der sich wie ein warmer Mantel um mich legt – auch wenn der Wind es Alltags mal wieder stürmisch ist.

Wichtig ist für mich die Erkenntnis geworden, dass ich nicht darauf warten muss, bis die Freude und das Glück zu mir kommen. Als erwachsene Frau kann ich, anders als das Kind von damals, mein Leben selbst in die Hand nehmen.

Ich kann mir immer wieder selbst eine Freude machen und mich auf mich selbst verlassen. Ich kann mir selbst vertrauen. Und mich, wenn das Leben eine Enttäuschung schickt, selbst in den Arm nehmen. Und mir bald wieder eine Freude machen.

 

Meine große Vorfreude

Seit Oktober hat mich eine große Vorfreude begleitet, die ich mir selbst geschenkt habe. Eine Reise nach Portugal.

Zusammen mit meinem Mann fahre ich an der Küste des Alentejos in den Süden. Wandere durch Korkeichenwälder, höre dem Brausen der Wellen zu. Tauche in die türkisfarbene Farbe der Wellen ein und bestaune die vielen Störche auf den Dächern der kleinen Dörfer.

Und heute freue ich mich auf einen langen Spaziergang am Meer, mit vielen Ausblicken in die verwunschenen Buchten und auf das endlose Blau, das sich vor mir ausbreitet.

Alexandra Cordes-Guth am Meer als Sinnbild für Freude

 

Schreibimpuls 

Schreib dir auf, worauf du dich heute, diese Woche, diesen Monat und dieses Jahr noch freust. Und gib deiner Vorfreude Raum.

Schreibe so, als ob das, worauf du dich freust, schon Wirklichkeit ist. Denn unser Unbewusstes kann nicht zwischen Vorstellung und Wirklichkeit unterscheiden. Wenn du in der Gegenwartsform schreibst, tauchst du automatisch schon in das positive Gefühl der Freude ein,

Mach dir eine Liste mit Dingen, Erlebnissen, Begegnungen, die du dieses Jahr noch in dein Leben einladen möchtest, damit daraus Momente der Freude werden. Und überlege, wie du dafür sorgen kannst, dass sie zu dir kommen.

Welche kleinen Schritte kannst du machen, damit  sie in deinem Leben Wirklichkeit werden?

Ich wünsche dir, dass du immer mehr Vorfreude in dein Leben einlädst. Und dich selbst damit zu einem Glückskind machst.

Herzliche Grüße

 

Alexandra

 

Portrait Alexandra Cordes-Guth

Alexandra Cordes-Guth Logo 

Alexandra Cordes-Guth begleitet Menschen mit viel Wertschätzung und Empathie
auf dem Weg ihrer beruflichen und persönlichen Veränderung und Entwicklung.

Und hier habe ich noch ein kostenloses E-Book für dich:

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