Dein inneres Kind heilen – das ist der erste Schritt

12 Februar 2022 | 2 Kommentare

Wenn ich die Fotos anschaue frage ich mich, wie es dem kleinen Wesen von damals wohl ging. Ein zartes Baby mit großen Augen, das vorsichtig in die Kamera schaut. Es liegt auf dem Bauch und hebt sein Köpfchen angestrengt nach oben.

Meine Mutter hat mir oft erzählt: „Du hast als Baby ständig geschrien. Immer warst du unzufrieden und am quengeln.“ Sie war selbst überfordert. Hatte mit 19 Jahren ungeplant Zwillinge bekommen, musste Windeln noch mit der Hand waschen und wusste nicht, wo das Geld für den nächsten Tag herkommen sollte.

Könnte ich heute bei diesem kleinen Baby sein, würde ich es auf den Arm nehmen, es herumtragen und ein Lied singen. Es nicht einfach in sein Bettchen legen und die Tür zumachen, damit ich sein unzufriedenes Schreien nicht mehr höre.

Aber in den 60er Jahren war man noch der Meinung, dass das Schreien die Lunge stärkt und sich die Babys irgendwann schon selbst beruhigen.

Heute weiß man, dass das nicht so ist. Sondern dass ein Baby irgendwann resigniert und verstummt. Und damit auch unser inneres Kind.
Am Ende dieses Beitrages habe ich noch eine Coaching-Übung für dich, mit der du Zugang zu dieser Zeit in deinem Leben finden kannst. Und so in Kontakt mit dem inneren Kind kommst.

 

Was ist das innere Kind?

Das innere Kind ist der wunderbare, unzerstörbare Kern in uns. Er ist verbunden mit unserer Seele, unserer inneren Weisheit, unserer Intuition, unserer Einzigartigkeit.

In der Verbindung mit ihm können wir ganz wir selbst sein, tauchen tief ein in unsere Selbstliebe und unser Selbstvertrauen.

Damit es einen Platz in uns und in unserem Leben bekommt, brauchen wir Bindung und Sicherheit. Auf diesen zwei Säulen kann gesunde und kraftvolle Entwicklung für das innere Kind stattfinden.

Aber viele Menschen werden mit Eltern groß, die überfordert sind und emotional keine Bindung eingehen können. Dadurch entsteht für Kinder von Anfang an ein Gefühl von Unsicherheit, das sich oft auch in unserem Leben als Erwachsene bemerkbar macht.

Und das Vertrauen des inneren Kindes verwandelt sich in Angst und Unsicherheit. Es wird zu einem verletzten inneren Kind.

Schwierige und belastende Situationen, die wir als Erwachsene erleben, haben häufig mit den Erfahrungen und Erlebnissen aus der Kindheit zu tun, weil wir sie im Unbewussten gespeichert haben. Und weil unser inneres Kind durch ähnliche Situationen immer wieder schmerzlich berührt wird.

Die ersten wichtigen Erfahrungen macht das innere Kind schon in den ersten Lebensmonaten. Sie sind oft wie ein roter Faden, der sich durch das Leben zieht, der immer wieder auftaucht.

 

Babys können sich nicht selbst regulieren und beruhigen

Das was ein Baby in den ersten Wochen und Monaten erlebt, wirkt sich auch auf das innere Kind aus. Babys können ihr Nervensystem noch nicht selbst regulieren. Das heißt, sie können sich nicht selbst beruhigen, wenn sie aufgeregt sind und Angst haben.

Dazu brauchen sie das Nervensystem einer vertrauten Person, also Mutter oder Vater. Sie wollen in den Arm genommen und gewiegt werden, einen beruhigenden Klang hören und klinken sich in das Nervensystem der anderen Person ein und kommen so zur Ruhe.

 

Die unterbrochene Hinbewegung – der Schmerz des inneren Kindes

Das Nervensystem in unserem Körper spielt eine sehr große Rolle bei Stress, Spannungszuständen und Ängsten, die das innere Kind in sich speichert.

Wenn niemand da ist, der das Kind hält und beruhigt, kann Bindung nicht so entstehen, wie es notwendig wäre. Bindung wird zu einem unsicheren und wackligen Gebiet für das Kind.

Man nennt das eine „unterbrochene Hinbewegung“, weil der natürliche Impuls von Mutter und Kind zu Beginn diese gegenseitige Hinbewegung ist. Sich nahe sein, das ist der natürliche Zustand, den ein Baby braucht, um gut in sein Leben hineinzuwachsen.

 

Bindung und Sicherheit als Basis für das innere Kind

So wie das Kind nach der Geburt automatisch die Brust der Mutter sucht, um seine erste Nahrung zu bekommen, so sucht es auch nach Bindung und Sicherheit. Es ist die Nahrung für die Persönlichkeit und die Seele, die auf dieser Ebene gebraucht wird.

Wenn das Kind erlebt, dass es versorgt wird, dass jemand da ist, der sich kümmert, der es sieht, dann fühlt es sich sicher und geborgen. Es kann sich entspannen und darf da sein.

Bindung und Sicherheit – immer wieder melden sich diese Grundbedürfnisse und wollen Raum in unserem Leben haben. Sie geben dem inneren Kind Schutz und Stabilität.

Nur wenn wir uns sicher fühlen, können wir präsent sein und uns selbst gut versorgen, entwickeln Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Und haben ein freies, lebendiges und autonomes inneres Kind in uns. Das sich wie eine Blume auf einem fruchtbaren Boden entwickeln und entfalten kann.

 

Das innere Kind heilen – der erste Schritt

Um mehr Bindung und Sicherheit in sich selbst zu finden, hilft es, die eigene Geschichte anzuschauen, die Geschichte des inneren Kindes, das du heute noch in dir trägst.

Und dir bewusst zu machen: Wie viel Bindung und Sicherheit habe ich zu Beginn meines Lebens bekommen? Wie präsent waren meine Mutter, mein Vater? Gab es unterbrochene Hinbewegungen im ersten Lebensjahr?

Das können Trennungen direkt nach der Geburt sein, weil es Komplikationen gab, Erkrankungen der Mutter oder des Kindes, äußere Umstände, die zu einer Trennung geführt haben, emotionale Belastungen.

Es geht nicht darum, nach Schuld und Mangel zu suchen, sondern erkennen zu können, was hat das innere Kind in diesem ersten Lebensjahr geprägt, wie viel Bindung und Sicherheit war möglich, was hat gefehlt.

Es geht darum herauszufinden, was ich heute brauche, um mich fürsorglich und liebevoll um dieses Kind zu kümmern, das die Schmerzen und den Mangel von damals noch in sich trägt.

Es geht um Mitgefühl für das kleine Wesen, dass damals nicht so versorgt werden konnte, wie es gut und notwendig gewesen wäre.

Wenn wir uns unsere eigene Geschichte bewusst machen und dem Kind von damals mit Mitgefühl begegnen, dann geschieht Heilung.

Es fühlt sich gesehen und gehört, es spürt, dass wir es mit seinem Schmerz und Mangel ins Herz schießen und ihm eine Heimat geben. Es erlebt Bindung und Sicherheit bei uns.

 

Verständnis und Heilung für dein inneres Kind

Ein erster Schritt, mit dem man sich die eigene Geschichte bewusster machen kann, ist das intuitive Schreiben, das ich auch in meinen Coachings und Online-Workshops nutze.
Dazu braucht man nur einen Stift und ein Blatt Papier. Und es tut gut, sich vorher 2-3 Minuten bewusst zu entspannen, ein paar Mal durchzuatmen, sich bequem hinzusetzen und vielleicht sogar schöne Musik anzumachen.

Beim intuitiven Schreiben nimmt man einfach das Thema oder einen Satzanfang und beginnt zu schreiben. Man denkt also nicht nach, bevor man schreibt, sondern folgt seinem Schreibfluss und dem Thema, das sich dabei zeigt. Grammatik und Rechtschreibung sind ganz egal. Bei dieser Art des Schreibens bekommen wir oft Zugriff auf Erinnerungen, die im Unbewussten gespeichert sind und die beim Schreiben wieder in unser Bewusstsein gelangen.

Es ist auch schon hilfreich, einfach mal alles aufzuschreiben, was man von den Eltern und anderen Bezugspersonen über das erste Lebensjahr für Geschichten erzählt bekommen hat.

 

 

Schreiben als Selbstcoaching: Schreibe über dein erstes Lebensjahr

Du kannst einfach mit diesem Satzanfang beginnen: In meinem ersten Lebensjahr… und schreibst dann alles auf, was dir dazu in den Sinn kommt. Auch wenn es scheinbar nichts damit zu tun hat.

Oder du schreibst das auf, was du gehört hast:

Schreibe auf, wie dein erstes Lebensjahr verlaufen ist, was dich geprägt hat.
Mach dir bewusst, wie viel Bindung und Sicherheit war möglich.
Wieviel Nähe und liebevolle Begegnungen hast du erlebt, was hat gefehlt und wäre für das Baby von damals wichtig gewesen, damit es einen guten und sicheren Start in sein Leben hat?

Schreibe aus deinem heutigen Erwachsenen-Ich und mache dir bewusst, dass du heute in Sicherheit bist. Und du alles in dir hast, um dem Kind von damals einen sicheren und liebevollen Raum zu geben.

Nähere dich mit Mitgefühl, Neugier und einem offenen Herzen deiner eigenen Geschichte.

Das was du aufschreibst, wird beim Schreiben schon ein Stück geheilt Wenn dein Verstand Einwände hat und dir sagt, dass das gar nicht sein kann, dann glaube dem, was dein Unbewusstes dir schickt.

Es geht nicht um wahr oder unwahr. Es geht darum, was das Kind von damals erlebt und wahrgenommen hat. Und dass es gehört wird.

Wir können durch den Kontakt zu unserem inneren Kind lernen, uns selbst Bindung und Sicherheit zu geben. Und uns selbst eine gute Mutter und ein guter Vater sein.

Gib dem Kind in dir eine Stimme und schreibe seine Geschichte auf. Und begegne ihm mit Liebe und Mitgefühl. Dann werden sich neue Räume in deinem Leben öffnen.

 

Wenn du dir Begleitung wünschst

Und wenn du dir Begleitung auf dem Weg zu deiner Geschichte und deinem inneren Kind wünschst, dann buche gerne einen kostenlosen Gesprächstermin mit mir. Hier gleich buchen. 

Mehr über das innere Kind und unsere inneren Anteile kannst du hier in meinem Blogbeitrag lesen.

Gemeinsam das innere Kind heilen

In meinen Online-Kursen kannst du Wege zu deinem inneren Kind kennenlernen. Und durch intuitives Schreiben und mit der Delfinstrategie eine wunderbare Freundschaft mit dir selbst beginnen. Hier geht es zu meinen Angeboten – für einen liebevollen Weg zu deinem inneren Kind.

Herzliche Grüße

Portrait Alexandra Cordes-Guth

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Alexandra Cordes-Guth begleitet Menschen mit viel Wertschätzung und Empathie
auf dem Weg ihrer beruflichen und persönlichen Veränderung und Entwicklung.

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2 Kommentare

  1. Wieder einmal ein Beitrag von Dir, der mich sehr berührt und schon beim Lesen fühlte ich Beruhigung und bekam eine Idee davon, wie Heilung geschehen kann… Die Arbeit mit dem inneren Kind und vor allem auch das Schreiben, das Du anbietest, tun mir gut und zeigen mir auf, dass es „niemals zu spät“ ist für positive Veränderungen. Ich freue mich auf die nächste „Schreibmagie“. Bis dahin ALLES LIEBE. Ulrike

  2. Liebe Ulrike, wie schön, dass der Beitrag schon beim Lesen eine gute Wirkung hat. Und dass die Idee, die wie Heilung für das innere Kind gelingen kann, bei dir anklopft. Ich finde auch, dass das Schreiben ein unglaublich hilfreicher und gleichzeitig sanfter Weg für positive Veränderungen ist. Und freue mich, wenn wir uns bei der nächsten Schreibmagie wiedersehen. Liebe Grüße Alexandra

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