Selbstmitgefühl & Innere Arbeit

Toxische Positivität: Warum du nicht immer positiv denken musst

Toxische Positivität erkennen: Warum „Denk positiv“ unter Druck setzen kann – und weshalb Selbstmitgefühl oft wichtiger ist als der schnelle Blick aufs Gute.

Alexandra Cordes-Guth
Alexandra Cordes-Guth
Systemische Therapeutin & Coach
19. September 2026
14 Min. Lesezeit
Blonde Frau lächelt und legt sich selbst die Arme auf die Schultern als Sinnbild für Selbstmitgefühl statt toxischer Positivität

Warum Dankbarkeit heilsam sein kann – und wir trotzdem nicht über unseren Schmerz hinweggehen sollten

„Du musst einfach positiver denken.“

Diesen Satz habe ich in meinem Leben oft gehört. Besonders in einer Zeit, in der ich ihn überhaupt nicht gebrauchen konnte.

Ich war Anfang 30 und hatte nach der Trennung von meinem langjährigen Freund eine Depression. Ich war traurig, erschöpft und verzweifelt. Ich konnte nicht einfach auf einen inneren Schalter drücken und plötzlich anders denken.

Und doch versuchten Menschen in meinem Umfeld, mich aufzumuntern. Sie erinnerten mich daran, was in meinem Leben gut lief, wollten mir Mut machen und mir zeigen, dass es auch wieder aufwärtsgehen würde.

Ich weiß heute: Sie meinten es gut.

Bei mir kam damals jedoch etwas ganz anderes an:

Mit dir stimmt etwas nicht. Du fühlst falsch. Und jetzt denkst du offenbar auch noch falsch.

Ausgerechnet in einer Situation, in der ich Mitgefühl gebraucht hätte, bekam ich eine weitere Aufgabe: Ich sollte es schaffen, positiver zu sein.

Heute weiß ich, dass genau darin die Gefahr der sogenannten toxischen Positivität liegen kann.

Darum geht es in diesem Beitrag

  • Warum positives Denken und Dankbarkeit wertvoll sein können – aber nicht immer der erste Schritt sind.
  • Warum der Versuch, unangenehme Gefühle möglichst schnell zu verändern oder mit etwas Positivem zu überdecken, uns zusätzlich unter Druck setzen kann.
  • Was Selbstmitgefühl und unsere inneren Anteile damit zu tun haben.
  • Und warum dieses Wissen sowohl in Beziehungen als auch bei beruflichen Krisen so wichtig ist.

Wenn Positivität plötzlich Druck macht

Die Traumatherapeutin Verena König beschäftigt sich in ihrem Podcast intensiv mit der Frage, wann eine positive Lebenseinstellung nicht mehr hilfreich ist.

In ihrer Folge „Good Vibes Only! Toxische Positivität als Traumafolge“ beschreibt sie, wie eine starke Fixierung auf das Positive dazu führen kann, dass wir unsere tatsächlichen Gefühle und Bedürfnisse nicht mehr wahrnehmen oder ihnen keinen Raum mehr geben.

Dabei ist natürlich nicht das Positive an sich toxisch.

Freude ist nicht toxisch.

Hoffnung ist nicht toxisch.

Dankbarkeit ist nicht toxisch.

Und auch der Wunsch, nach einer schwierigen Zeit wieder nach vorne zu schauen, ist etwas sehr Menschliches und Kraftvolles.

Schwierig wird es dort, wo unangenehme Gefühle nicht mehr da sein dürfen – oder wo wir glauben, sie möglichst schnell hinter uns lassen zu müssen.

Verena König beschreibt gut gemeinte Aufforderungen wie:

„Du musst loslassen.“

„Du musst nach vorne blicken.“

„Sei doch froh, dass die schwierige Zeit jetzt vorbei ist.“

Solche Sätze können von anderen kommen. Oft sagen wir sie uns aber irgendwann selbst. Weil wir denken, anders kommen wir aus unserer dunklen Wolke nicht mehr raus.

Wenn der innere Kritiker das positive Denken übernimmt

Dann klingt es vielleicht so:

Jetzt müsste ich doch langsam darüber hinweg sein.

Warum beschäftigt mich das immer noch?

Ich habe doch schon so viel an mir gearbeitet.

Andere schaffen das doch auch.

Jetzt müsste es mir doch endlich besser gehen.

Und plötzlich ist aus der Persönlichkeitsentwicklung ein neues Leistungsprogramm geworden.

Wir wollen nicht mehr nur erfolgreich, belastbar und souverän sein.

Jetzt sollen wir auch noch richtig fühlen.

Der innere Kritiker meldet sich mit diesen Worten auf einer anderen Frequenz. Früher sagte er vielleicht:

„Du bist nicht gut genug.“

Jetzt sagt er:

„Du hast doch so viel gelernt. Warum bekommst du das immer noch nicht hin?“

Wenn du meinen inneren Kritiker, den Wolf in der Glückskindstrategie, näher kennenlernen möchtest, findest du dazu auf meinem Blog den Beitrag „Die Glückskindstrategie – den inneren Kritiker zähmen“. Dort beschreibe ich genauer, wie du erkennst, wann dein Wolf das Zepter übernimmt.

Aber ist positives Denken nicht trotzdem wichtig?

Vielleicht wunderst du dich jetzt.

Denn wenn du meine Arbeit schon länger kennst, weißt du, wie häufig ich über Dankbarkeit, hilfreiche Gedanken und unseren Blick auf das Gute schreibe.

Und Dankbarkeit ist auch weiterhin eines meiner hilfreichsten Tools in der Glückskindstrategie und in meinem Leben.

Weil unser Gehirn katastrophisch ist. Das heißt, es ist sehr schnell darin, mögliche Gefahren, Probleme und Schwierigkeiten wahrzunehmen.

Das hat einen guten Grund: Für unsere Vorfahren war es überlebenswichtig, eine mögliche Bedrohung nicht zu übersehen.

Aber heute müssen wir uns nicht mehr ständig umschauen, damit wir wissen, ob der Säbelzahntiger schon wieder auf dem Sprung zu uns ist.

Trotzdem springt unser Gehirn oft zuerst auf das an, was nicht stimmt:

die kritische E-Mail,

den Fehler, den wir gemacht haben,

den Menschen, der uns nicht zurückruft,

die eine Bemerkung im Mitarbeitergespräch,

die Sorge, was morgen passieren könnte.

Deshalb kann es sehr hilfreich sein, unsere Aufmerksamkeit mit dem Fokus auf Dankbarkeit bewusst zu erweitern.

Der Vogel, der am Morgenhimmel seine Kreise zieht.
Das freundliche Lächeln eines fremden Menschen auf dem Weg zur Arbeit.
Ein Sonnenstrahl, der durch die Blätter fällt
Der Duft von nasser Erde nach dem Regen
Ein Windhauch auf der Haut, der dich zärtlich streichelt

Dankbarkeit hilft uns dabei, nicht ausschließlich auf Schwierigkeiten und Bedrohungen zu schauen.

Darüber schreibe ich auch in meinem Blogbeitrag „Dankbarkeit – so öffnet sie die Tür zur Intuition“ und in meinen anderen Texten zum Thema Dankbarkeit.

Aber Dankbarkeit bedeutet für mich nicht:

Das Schwere soll weg.

Sondern:

Das Schwere ist da – und daneben gibt es noch eine andere Kraft.

Es macht einen Unterschied, ob ich meinen Blick weite und das Helle und das  Dunkle nebeneinander sehen kann. Oder ob ich etwas ausblenden will - was sowieso da ist.

Für mich liegt genau hier der entscheidende Unterschied.

Ich kann traurig sein und dankbar.

Ich kann Angst haben und einen schönen Moment wahrnehmen.

Ich kann verzweifelt sein und trotzdem wissen, dass es Hoffnung gibt.

Ich kann verletzt sein und darauf vertrauen, dass es Heilung für mich gibt.

Dieses kleine Wort und ist wichtig.

Toxische Positivität macht daraus schnell ein stattdessen:

Nicht mehr traurig sein, sondern positiv denken.

Nicht mehr zurückschauen, sondern nach vorne.

Nicht mehr wütend sein, sondern verzeihen.

Nicht mehr zweifeln, sondern dankbar sein.

Doch ein positiver Gedanke macht Trauer, Angst oder Wut nicht automatisch kleiner.

Manchmal versuchen wir sehr schnell, unseren inneren Zustand zu verändern. Wir lenken uns ab, suchen sofort nach dem Guten oder sagen uns, dass wir doch eigentlich dankbar sein müssten.

Das kann kurzfristig entlasten. Aber wenn ein Gefühl gesehen und verarbeitet werden möchte, braucht es oft zunächst etwas anderes: unsere Aufmerksamkeit und unsere Zuwendung zu dem, was gerade ist.
Das ist der erste Schritt für einen heilsamen Prozess.

Vereinfacht gesagt: Unser Nervensystem hat eine belastende Erfahrung nicht schon deshalb verarbeitet, weil unser Kopf entschieden hat, jetzt wieder positiv nach vorne zu schauen.

Hilfreicher ist häufig ein anderer Weg:

Zuerst nehme ich wahr, was gerade da ist.

Ich benenne es. Und gebe ihm Raum.

Ich erlaube mir, es zu fühlen. Und dass es da sein darf.

Ich begegne mir und dem, was gerade in mir ist, mit Selbstmitgefühl.

Und erst danach kann sich mein Blick wieder weiten.

Dann kann vielleicht ein neuer Gedanke entstehen. Eine andere Perspektive. Oder ein nächster Schritt.

Nicht gegen das Gefühl. Sondern mit dem Gefühl.

Was manchmal wichtiger ist als Dankbarkeit

Das wurde mir gerade in dieser Woche in meiner Arbeit wieder sehr deutlich.

Ich erzähle das folgende Beispiel selbstverständlich anonymisiert und mit veränderten Details.

Eine Klientin hat lange in einer Beziehung gelebt, in der sie massiv abgewertet und verletzt wurde. Sie hat inzwischen einen unglaublich mutigen Weg hinter sich. Sie hat sich getrennt, ihr Leben verändert und viele große Schritte gemacht.

Von außen könnte man leicht sagen:

Schau doch einmal, was du alles geschafft hast.

Sei stolz auf dich.

Jetzt liegt das Schlimmste hinter dir.

Und natürlich stimmt das alles.

Nur war es in diesem Moment nicht das, was sie brauchte.

Denn plötzlich war sie in ein tiefes Loch gefallen.

Sie begann, sich selbst dafür zu verurteilen, dass sie so lange in dieser Beziehung geblieben war.

Warum habe ich das so lange mit mir machen lassen?

Warum bin ich nicht früher gegangen?

Wie konnte ich das nur aushalten?

Der frühere Partner war längst nicht mehr da.

Doch sein kritischer und verächtlicher Blick war innerlich immer noch präsent. Sie sah sein Gesicht vor sich. Und ich hatte den Eindruck, dass sie begonnen hatte, sich selbst mit genau diesem vernichtenden Blick anzuschauen.

Ich spürte sehr deutlich:

Jetzt wäre es falsch, ihr die Dankbarkeitsübung vorzuschlagen und sie möglichst schnell wieder nach vorne schauen zu lassen.

Sie brauchte keinen neuen positiven Gedanken.

Sie brauchte Mitgefühl.

Sie brauchte Raum für ihre Trauer.

Für ihre Verzweiflung.

Für den Anteil in ihr, der vielleicht viel zu lange durchhalten musste.

Und für den Anteil, der damals nicht die Möglichkeiten, die Kraft oder die innere Freiheit hatte, die wir ihm aus heutiger Sicht so gerne zuschreiben würden.

Wir arbeiteten unter anderem mit Logosynthese, einer Methode, die ich sehr schätze und in meine Coachings integriere. Dabei konnten wir die belastende innere Präsenz dieses Blickes lösen. Das war für sie spürbar erleichternd.

Mindestens genauso wichtig war aber etwas anderes:

Sie durfte mit ihrer ganzen Trauer und Verzweiflung da sein.

Ohne sie sofort verändern zu müssen.

Ohne sie mit etwas Positivem zu überdecken.

Ohne eine neue Aufgabe erfüllen zu müssen.

Wir beurteilen unser früheres Ich mit dem Wissen von heute

Gerade nach belastenden Beziehungen begegnet mir noch etwas anderes sehr häufig.

Wir schauen zurück und denken:

Ich hätte es doch merken müssen.

Warum habe ich das zugelassen?

Warum bin ich nicht gegangen?

Doch dabei beurteilen wir den Menschen, der wir damals waren, mit dem Wissen und den Möglichkeiten, die wir heute besitzen.

Der Mensch, der wir damals waren, hatte vielleicht andere Ängste.

Andere Bindungen.

Andere Erfahrungen.

Andere innere Überzeugungen.

Und vielleicht viel weniger Kraft als heute.

Das anzuerkennen bedeutet nicht, alles gutzuheißen.

Es bedeutet:

Ich höre auf, mich für mein damaliges Überleben auch noch nachträglich zu bestrafen.

Dazu passt auch mein Blogbeitrag „Uns selbst vergeben – und endlich frei sein“. Dort schreibe ich darüber, warum Veränderung nicht mit weiterer Selbstverurteilung beginnt, sondern mit Selbstmitgefühl und Selbstvergebung.

Toxische Positivität im Job

Vielleicht denkst du beim Lesen: Das betrifft vor allem Menschen, die Schlimmes in einer Beziehung erlebt haben.

Doch ich erlebe denselben Mechanismus auch sehr häufig in beruflichen Situationen.

Eine Frau ist seit Jahren unglücklich in ihrem Job.

Jeden Sonntag beginnt schon am Nachmittag das ungute Gefühl.

Montagmorgens kostet es sie Überwindung aufzustehen.

Sie fühlt sich nicht gesehen, nicht wertgeschätzt oder ist einfach schon lange erschöpft.

Und trotzdem bleibt sie.

Vielleicht aus Angst vor finanzieller Unsicherheit.

Vielleicht weil sie denkt, sie sei für etwas anderes nicht gut genug.

Vielleicht weil sie Verantwortung für eine Familie trägt.

Vielleicht weil der innere Wolf sagt:

„Stell dich nicht so an.“

„Du hast doch einen sicheren Job.“

„Andere wären froh, deine Stelle zu haben.“

Auch hier hilft es häufig wenig, sofort zu sagen:

Dann konzentriere dich doch auf das Positive.

Oder:

Dann kündige eben.

Zuerst geht es darum zu verstehen:

Warum bin ich noch hier? Was hält mich fest? Was macht mir Angst? Und welcher Teil in mir braucht gerade Unterstützung?

Erst wenn wir aufhören, uns für unser Zögern und unsere Unsicherheit abzuwerten, entsteht häufig die innere Ruhe, aus der eine wirkliche Entscheidung möglich wird.

Genau darum geht es auch in meinem neueren Beitrag Alte Muster loslassen: Warum Veränderung so schwerfällt“. Dort beschreibe ich, warum nachhaltige Veränderung oft nicht mit noch mehr Druck, sondern mit bewusster Wahrnehmung und Mitgefühl beginnt.

Selbstmitgefühl bedeutet nicht, im Schmerz stecken zu bleiben

Manche Menschen haben davor Angst.

„Wenn ich meiner Traurigkeit jetzt Raum gebe, komme ich dann überhaupt wieder heraus?“

„Mache ich alles nicht noch schlimmer, wenn ich mich damit beschäftige?“

„Versinke ich dann nicht im Selbstmitleid?“

Selbstmitgefühl bedeutet für mich etwas anderes.

Es bedeutet:

Ich kämpfe nicht zusätzlich gegen mich, während es mir ohnehin schon schlecht geht.

Wenn ich mit mir selbst freundlicher werde, kann etwas in mir zur Ruhe kommen.

Ich muss mich nicht mehr gleichzeitig gegen den Schmerz und gegen mich selbst verteidigen.

Ich darf anerkennen:

Ja, das tut gerade schrecklich weh.

Ja, ich bin traurig und verzweifelt.

Ja, ich hätte mir gewünscht, dass es anders gewesen wäre.

Und ich bin trotzdem in Ordnung.

Genau diese mitfühlende Haltung verändert mit der Zeit auch unseren inneren Dialog.

In der Glückskindstrategie muss nicht jeder Anteil glücklich sein

Das ist für mich ein ganz wichtiger Grundgedanke meiner Glückskindstrategie.

In uns leben unterschiedliche innere Anteile.

Da ist der Wolf, unser innerer Kritiker.

Die Giraffe, unser fürsorglicher und mitfühlender Anteil.

Der Elefant, der mit etwas Abstand beobachten und einordnen kann.

Und da sind unsere inneren Kindanteile – manche lebendig und frei, andere ängstlich, angepasst, trotzig oder verletzt.

Für mich bedeutet innere Entwicklung nicht, dass nur noch die fröhlichen Anteile sprechen dürfen.

Jeder Anteil braucht seinen Platz.

Manchmal braucht die Maus Schutz.

Manchmal braucht das Äffchen Raum für seine Wut.

Manchmal braucht ein verletzter Anteil die Erlaubnis zu weinen.

Und manchmal braucht sogar der Wolf Verständnis dafür, warum er so laut geworden ist.

Die Giraffe sagt nicht:

„Nun denk doch endlich positiv.“

Sie sagt vielleicht:

„Ich sehe, wie weh dir das tut.“

„Kein Wunder, dass du traurig bist.“

„Du hast damals getan, was dir möglich war.“

„Ich bleibe bei dir.“

Erst wenn wir uns nicht mehr gegen das wehren müssen, was in uns ist, entsteht oft wieder Raum.

Dann kann der Elefant dazukommen und fragen:

Was ist heute anders?

Was brauche ich jetzt?

Was kann ich beeinflussen?

Und was wäre ein nächster kleiner Schritt?

Wenn du die Glückskindstrategie lieber hören möchtest, findest du diese Themen auch in meinem Glückskind-Podcast.

Dort stelle ich die verschiedenen inneren Anteile vor und zeige, wie du sie in deinem Alltag nutzen kannst.

Besonders die Folgen zur Giraffe – unserem mitfühlenden Anteil – und zum Elefanten, unserem achtsamen Beobachter, passen zu diesem Thema sehr gut.

Dankbarkeit soll kein schnelles Pflaster sein

Und irgendwann kann auch die Dankbarkeit wieder ihren Platz bekommen.

Nicht als Pflaster auf einer offenen Wunde.

Nicht als Pflichtübung.

Nicht als Beweis dafür, dass wir unsere Persönlichkeitsentwicklung ordentlich erledigt haben.

Sondern als neue, liebevolle Gedanken:

Ich bin dankbar, dass ich heute anders für mich sorgen kann.

Ich bin dankbar für den Menschen, der mir zugehört hat.

Ich bin dankbar, dass ich heute Möglichkeiten habe, die ich damals noch nicht hatte.

Ich bin dankbar, dass dieser verletzte Anteil in mir heute nicht mehr alleine ist.

Dann wird Dankbarkeit nicht zum Wegschauen.

Sie wird zum Weiterschauen.

Du musst dich nicht zwischen Schmerz und Hoffnung entscheiden

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus meiner eigenen Geschichte und aus vielen Jahren therapeutischer und Coaching-Arbeit mitgenommen habe:

Wir müssen nicht zwischen dem Schweren und dem Schönen wählen.

Beides darf existieren.

Vielleicht bist du heute traurig und kannst trotzdem den leuchtenden Himmel sehen.

Vielleicht hast du Angst und spürst gleichzeitig eine leise Hoffnung, die bei dir anklopft.

Vielleicht bereust du Entscheidungen und kannst lernen, dir selbst liebevoll die Hand zu reichen und dir zu vereihen.

Vielleicht bist du dankbar für dein Leben und darfst trotzdem sagen:

Das ist gerade schwer für mich.

Als ich mit Anfang 30 in meiner Depression steckte, hätte ich keinen Menschen gebraucht, der mir noch besseres positives Denken beibringt.

Ich habe jemanden gebraucht, der sich neben mich setzt und sagt:

„Ich sehe, dass es dir schlecht geht. Und ich bin einfach an deiner Seite, auch wenn ich nicht weiß, was ich jetzt für dich tun kann.“

Zum Glück gab es solche Menschen auch immer wieder. Und sie haben mir meine schwere Zeit ein wenig leichter gemacht.

Vielleicht beginnt genau dort echte Veränderung.

Nicht im Kampf gegen uns selbst.

Sondern in der Freundschaft mit uns selbst.

Und wie ist es bei dir?

Vielleicht gibt es gerade etwas in deinem Leben, das du am liebsten möglichst schnell hinter dir lassen würdest.

Eine Enttäuschung. Eine Trennung. Eine schwierige Entscheidung. Einen Job, in dem du schon lange nicht mehr glücklich bist. Oder ein Gefühl, von dem du denkst, dass es doch endlich verschwinden müsste.

Dann frag dich vielleicht für einen Moment nicht:

Wie bekomme ich dieses Gefühl weg?

Sondern:

Was braucht der Teil in mir, dem es gerade so geht?

Vielleicht braucht er noch keine Lösung.

Vielleicht braucht er erst mal deine Aufmerksamkeit.

Eine liebevolle Giraffe an seiner Seite.

Und den Satz:

Du darfst da sein. Mit allem was ist.

Und vielleicht kannst du erst danach wieder schauen, was dich stärkt, was dir Hoffnung gibt und wofür du dankbar bist.

Nicht, um das Schwere zu überdecken.

Sondern um neben dem Schweren auch wieder das Licht zu sehen.

Beides darf da sein.

Wenn du spürst, dass du mit deinem Thema nicht allein weitergehen möchtest, begleite ich dich gerne ein Stück auf deinem Weg.
Buche dir dafür gerne ein kostenloses und unverbindliches Kennenlerngespräch mit mir.

Ich wünsche dir, dass Dankbarkeit und Selbstmitgefühl zu einer wunderbaren Mischung auf dem Weg zu einer wunderbaren Freundschaft mit dir selbst werden.

Alexandra Cordes-Guth
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Über die Autorin

Alexandra Cordes-Guth

Systemische Therapeutin (SG), Schreib- und Poesietherapeutin. Seit 2005 begleite ich Menschen dabei, gelassener mit beruflichen Herausforderungen und eigenen Selbstzweifeln umzugehen. Autorin von 6 Büchern und Entwicklerin der Glückskindstrategie.

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