Die Delfinstrategie in der Praxis – das trotzige innere Kind

10 April 2021 | 4 Kommentare

In meinem Blogbeitrag „So stärkst du dein Selbstvertrauen mit der Delfinstrategie“ habe ich das Modell der Transaktionsanalyse erklärt. In dem sechs innere Persönlichkeitsanteile den ganzen Tag miteinander sprechen und Einfluss auf unser Selbstvertrauen, unsere Gefühle, unser Verhalten haben. Und damit unser Leben massiv beeinflussen.

Die Delfinstrategie habe ich schon an viele Menschen in meinen Gruppen und Coachings weitergegeben und in praktische Beispiele übersetzt. Und ich weiß, dass es für die Anwendung im Alltag oft noch mehr Informationen braucht.

Deshalb gibt es von mir eine Serie von Blogbeiträgen, in denen du erfahren kannst, welche Persönlichkeitsanteile zur Delfinstrategie gehören und wie du sie ganz praktisch für ein gesundes Selbstvertrauen nutzen kannst. Die Links zu den anderen Beiträgen findest du am Schluss dieses Beitrages noch mal alle in der Übersicht.

 

 

Freches Äffchen als Sinnbild für das trotzige innere Kind

Das trotzige innere Kind: Das Äffchen in der Delfinstrategie

Das trotzige innere-Kind ist der Teil in uns, der sich seinen Platz in der Welt erobert, indem er anderen signalisiert, dass er allein zurechtkommt und niemand braucht. Er reagiert häufig mit Trotz und Abwehr auf andere Menschen und legt großen Wert auf seine Unabhängigkeit.

Wenn wir mit diesem Teil verbunden sind, verschwindet unser wahres Selbst immer mehr und wir sind damit beschäftigt, uns in der Welt zu behaupten, uns abzugrenzen und anders zu sein als andere. Der natürliche Wunsch nach Verbundenheit wird tief vergraben, stattdessen wird der Wunsch nach Autonomie überbetont.

Hinter dieser scheinbaren Stärke steckt meist ein sehr einsamer Teil in uns, dem es schwerfällt, zu vertrauen. Deshalb zeige ich dir heute, wie man erkennen kann, dass das Äffchen in uns spricht.

 

So kannst du das trotzige innere Kind in dir erkennen

Wie kann man denn erkennen, dass das Äffchen, das trotzige innere Kind in uns (oder auch aus anderen Menschen) spricht? Es macht sich durch das Gefühl des Ärgers und Trotzes bemerkbar. Wenn wir mit dem Äffchen in uns verbunden sind, fühlen wir uns kämpferisch, rebellisch und gerne zu Streit aufgelegt. An folgenden Merkmalen kannst du das Äffchen in dir erkennen:

  1. Am Verhalten
  2. Am Tonfall
  3. An der Sprache / Wortwahl
  4. An der Mimik (Gesichtsausdruck)
  5. An der Körpersprache

 

Beispiele für die fünf Merkmale des Äffchens in der Delfinstrategie

Verhalten: regt sich über Autoritäten auf, launisch, bockig, aufsässig, zieht andere auf, trotzig, wütend, quengelig, querköpfig, starrköpfig, aufmüpfig, zeternd, unzufrieden
Tonfall: laut, polternd, motzend, giftig, unwirsch, lustlos, protestierend
Wortwahl: Nun gerade nicht, lass mich in Ruhe, verdammt noch mal, ja aber…, ich will aber nicht, das ist ja blöd, mach deinen Kram alleine, wieso gerade ich?, das hättest du gerne
Mimik: verstockt, trotzig, abweisend, Nase rümpfen, gerunzelte Stirn, Blick ins Leere, schmollende oder aufeinandergepresste Lippen
Körperhaltung: verkrampft, hochgezogene Schultern, Fuß aufstampfend, Fäuste ballend, drohend, Hände in den Hüften, mit den Armen fuchtelnd

 

Wie dein Körper auf das trotzige innere Kind reagiert

Wenn Äffchen in uns aktiv wird, reagiert unser Nervensystem mit Anspannung und Hitze. Der Herzschlag und die Atmung wird schneller, Energie sammelt sich an und will sich entladen. Das Äffchen meldet sich mit geballter Energie, es sieht schnell rot und versucht mit Lautstärke und Körpereinsatz seine Position zu behaupten. Im Bauch ist meist große Hitze zu spüren, der Kiefer ist angespannt, die Hände sind auch angespannt, manchmal zu Fäusten geballt.

Der Körper möchte sich bewegen und das, was gesagt wird, damit unterstreichen. Er fühlt sich an, wie kurz vor dem Explodieren. Das Nervensystem fährt bei diesem Persönlichkeitsanteil hoch und setzt viel Energie frei. Es ist im Angriff- und Verteidigungsmodus, im Körper ist viel Adrenalin und damit viel Energie.

Dieser Angriff- und Verteidigungsmodus stammt aus der Zeit der Neandertaler. War ein Feind in der Nähe, musste der Körper blitzschnell Energie zur Verfügung stellen, um das Überleben zu sichern – und das Nervensystem wurde aktiviert und hochgefahren. Das trotzige innere Kind sieht die Welt um sich herum als Herausforderung an und seine Überlebensstrategie ist eine innere Haltung des Kämpfens. Die sich in der Regel auch im Körperlichen gut erkennen lässt.

 

Das trotzige innere Kind möchte unabhängig sein

Das trotzige innere Kind entwickelt sich, wenn wir als Kinder das Gefühl bekommen, dass wir fehlerhaft und nicht liebenswert sind. Kinder kommen mit dem kleinen Delfin auf die Welt, sind neugierig, mutig und vertrauen ihrer Entwicklung. Diese kraftvolle Lebendigkeit kann unterbrochen werden. Entweder durch fehlende Bindung oder durch kritische Bewertungen.

Das trotzige innere Kind versucht seine Verletzlichkeit durch Abwehr, Kritik und streitlustiges Verhalten zu verdecken. In seiner Kindheit hat es wie das angepasste innere Kind viel Kritik erlebt. Aber eine andere Überlebensstrategie als die Maus gewählt. Das ist teils typbedingt, teils hängt es mit der Dynamik und dem System der Herkunftsfamilie zusammen. Wenn schon ein Geschwisterkind im Mäuschen Modus ist, wird oft der freie Platz gewählt: Das Äffchen.

Das trotzige innere Kind schützt sich durch scheinbare Unabhängigkeit. „Ich komme allein zurecht, ich brauche keine Hilfe“ ist eine typische Aussage – die mit einem gewissen Trotz geäußert wird. Die Angst vor Kritik und Entwertung führt bei ihm dazu, dass es auf Distanz zu anderen Menschen geht und eine eher misstrauische Grundhaltung einnimmt. Es verletzt andere immer wieder durch ruppige Bemerkungen und harsche Zurückweisung.

Es ist wie ein einsamer Cowboy, der sich am sichersten fühlt, wenn er nicht auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Um seine Unabhängigkeit deutlich zu machen, ist das Äffchen oft grundsätzlich anderer Meinung und vertritt mit lauter Stimme und viel Körpereinsatz seine Meinung.

Es braucht keine Harmonie, sondern blüht auf, wenn es eine Position als Außenseiter einnehmen kann.  Es fühlt sich lebendig und spürt sich, wenn es sich abgrenzen kann. Sonst hat es Angst andere Menschen zu nahe an sich heranzulassen und fürchtet, nur wieder verletzt zu werden.

 

 

Überlebensstrategien haben irgendwann mal Sinn gemacht

So wie die Maus mit extremer Anpassung ihren Platz in der Welt sucht, so sucht das Äffchen in der Gegenbewegung seinen Platz durch Abgrenzung. Zwei unterschiedliche Überlebensstrategien aus der Kindheit, die, wenn man die Lebensgeschichte eines Menschen betrachtet, irgendwann wichtig und sinnvoll waren. Sie sind eine Reaktion auf Verhaltensweisen von wichtigen Bezugspersonen. Und waren für das eigene Überleben und Zurechtkommen in der Familie notwendig.

Jeder Anteil in uns ist als Reaktion auf unser Umfeld entstanden und möchte uns dabei unterstützen, ein gutes Leben zu führen. Es gibt einen wichtigen Satz aus der systemischen Therapie: Probleme waren mal Lösungen.

Das heißt, dass alte Überlebensstrategien, die früher eine wichtige Lösung waren, irgendwann zum Problem werden können. Weil sich die Welt um uns herum verändert hat und die alte Überlebensstrategie nicht mehr passt. Und unsere Entwicklungsaufgabe sein kann, uns wieder in unser natürliches, freies Ich, den Delfin zu bewegen. Dafür müssen alte Überlebensstrategien wertschätzend erforscht, integriert und verabschiedet werden. Dabei helfen uns unsere inneren Anteile.

 

Jeder innere Anteil hat eine gute Absicht 

Zum Glück haben wir die Fähigkeit, innezuhalten und unser Verhalten zu reflektieren – damit wir es dann verändern können. Und dominante Anteile, die uns Probleme bereiten, mehr in den Hintergrund treten. Es geht nie darum, einen der inneren Anteile zu bekämpfen. Es geht immer um Integration, um Verständnis für uns selbst. Wir sollen uns fragen:

Wann und warum ist dieser Teil in mir entstanden? Was ist seine gute Absicht? Um dann zu entscheiden, wie viel Raum dieser Anteil in unserem Leben haben soll, damit wir ein erfülltes und glückliches Leben führen können.

Jeder Teil bringt auch viel Positives mit. Die Maus sorgt für Harmonie und bringt sehr viel Empathie mit. Das Äffchen stärkt unsere Autonomie und verbindet uns mit unserer Lebenskraft. Aber jeder Anteil wird im Übermaß zu einem Problem für uns, blockiert die natürliche Energie.

 

Deine Begleiter für einen heilsamen Umgang mit dem Äffchen

Das Äffchen reagiert auf die Bemerkungen des inneren Kritikers in ihm und bei anderen Menschen mit Abwehr. Es kann oft nicht hören, wenn die Giraffe sich meldet, weil es dieser Stimme nicht glaubt. Freundlichkeit und Mitgefühl machen ihm Angst, können sich anfühlen wie ein Angriff auf seine Autonomie. Menschen mit einem starken trotzigen inneren Kind brauchen zuerst die Unterstützung des Elefanten und dann die der Giraffe.

Der Elefant (das Erwachsenen-Ich) hilft dabei, Abstand in belastenden Situationen zu bekommen und automatische Verhaltensmuster zu unterbrechen. Die Giraffe (das fürsorgliche Eltern-Ich) hilft dem trotzigen inneren Kind dabei, seinen Panzer und seine Angst vor Verletzlichkeit in kleinen Schritten abzulegen. Mit viel Geduld und Sanftheit kann sie Schritt für Schritt den Panzer durchdringen und das Äffchen mit dem Gefühl der Verbundenheit  vertraut machen. Und in ihm das Vertrauen wachsen lassen, dass die Welt kein feindlicher Ort ist, an dem man nur im Kampfmodus überleben kann.

 

So kannst du die Kraft der inneren Anteile nutzen

Jetzt hast du alle sechs Anteile der Delfinstrategie kennengelernt. Jeder von ihnen ist in jedem Menschen vorhanden und möchte dir helfen, dein Leben gut zu gestalten. Wenn du sie dir bewusst machst, sie ins Gleichgewicht bringst und ihnen mit Mitgefühl und Verständnis begegnest, stärkst du automatisch dein Selbstbewusstsein und dein Selbstvertrauen.

Verbinde dich jeden Tag durch Achtsamkeit mit deinem Elefanten und nimm wahr, welcher Anteil in dir gerade aktiv ist. Und lass im Dialog mit der Giraffe einen Boden von Liebe und Mitgefühl in dir wachsen, auf dem du selbst in ein entspanntes und erfülltes Leben hineinwachsen kannst.

 

Die Delfinstrategie und ihre anderen Anteile zum Nachlesen

Wenn du dir zuerst noch einmal das gesamte Modell der Delfinstrategie anschauen möchtest, lies gerne noch mal den Blogbeitrag dazu. 
Der Innere Kritiker, der Wolf in uns: Die Delfinstrategie in der Praxis – den inneren Kritiker zähmen. 
Das fürsorgliche Eltern-Ich, die Giraffe: Die Delfinstrategie in der Praxis – das fürsorgliche Eltern-Ich
Das Erwachsenen-Ich, der Elefant: Die Delfinstrategie in der Praxis – das Erwachsenen-Ich 
Das freie innere Kind, der Delfin: Die Delfinstrategie in der Praxis – das freie innere Kind.
Das angepasste innere Kind, die Maus: Die Delfinstrategie in der Praxis – das angepasste innere Kind

Online-Kurs zur Delfinstrategie: Es gibt auch einen Online-Kurs zur Delfinstrategie. Infos, Anmeldung und Teilnehmerstimmen  findest du hier: Online-Kurs zur Delfinstrategie

Herzliche Grüße

Portrait Alexandra Cordes-Guth

Alexandra Cordes-Guth Logo 

Alexandra Cordes-Guth begleitet Menschen mit viel Wertschätzung und Empathie
auf dem Weg ihrer beruflichen und persönlichen Veränderung und Entwicklung.

Gute Gedanken

Geh nicht, ohne dich für die Guten Gedanken anzumelden

Wöchentliche Inspirationen und exklusive Inhalte:
Coaching Impulse, Videos, Meditationen und magische Schreib Tools

 

 

Mit der Anmeldung erhätst Du meinen Guten Gedanken Newsletter.  Hinweise zum Datenschutz findest Du in der Datenschutzerklärung

4 Kommentare

  1. Liebe Alexandra,
    erst einmal vielen herzlichen Dank für deine Großzügigkeit. Uns durch deine Beiträge so zu beschenken, so viel zu geben, bedingungslos, das finde ich unglaublich.
    In letzter Zeit habe ich dich auch auf you Tube entdeckt und war hin und weg von deinen Gedanken zu einzelnen wichtigen Sätzen aus deinem Buch. Zum Beispiel die Sache mit dem Körperwesen. Was will mir mein Körper sagen, wenn er mir durch Schmerzen deutlich macht, dass ich Haltungen oder Gewohnheiten verändern muss?
    Oder warum Brüche so wichtig für die eigene Entwicklung sind, dass in ihnen Aufbruch steckt, anstatt daran zu zerbrechen.
    Auch dass es gut ist die eigene Geschichte gehen zu lassen, sie nicht mehr sich selbst zu erzählen, dass ein neues Bild und eine neue Geschichte zum neuen Ich entstehen kann.

    Als ich gerade deine Mail entdeckt habe mit dem inneren trotzigen Kind hat mich das gleich angesprochen. Unabhängigkeit ist für mich etwas Überlebenswichtiges geworden und oft habe ich das Gefühl mit meiner Meinung allein zu sein. Das Bild des Kämpfen-Müssens ist mir auch nicht fremd.
    Es fühlt sich verheißungsvoll an, eine Strategie kennenzulernen, die einen in ein anderes Fahrwasser bringt, das etwas ruhiger und leichter zu sein scheint.

    Ich danke dir nochmals von Herzen für die viele Mühe und dein Herzblut, das in deinen Beiträgen steckt und freue mich, dich irgendwann einmal live kennenzulernen.

    .

  2. Liebe Alexandra,

    ich würde mich sehr freuen, wenn ich am 21.4.21 bei deinem kostenlosen Workshop zur Delfin-Strategie dabei sein kann.

    Dankeschön und viele liebe Grüße,
    Petra

  3. Liebe Petra,

    freut mich, dass du dich für den Workshop zur Delfinstrategie interessierst. Dort kannst du mir dann gerne deine Fragen stellen und noch mehr zur Umsetzung erfahren.
    Ich trage dich gerne in die Liste der Teilnehmer ein und du bekommst dann ein bis zwei Tage vor dem Workshop den Link. Sonst einfach noch mal bei mir melden.
    Liebe Grüße – Alexandra

  4. Liebe Stefanie, ganz ganz vielen Dank für dein Feedback! Es freut mich unglaublich, dass du dich durch meine Beiträge so reich beschenkt fühlst und auch die Videos auf You Tube so inspirierend für dich sind. Es hilft mir immer sehr, wenn ich höre, dass meine Beiträge ankommen und was sie bewirken. Und ist für mich ein großes Geschenk. Wie schön, dass das Körperwesen dich angesprochen hat. Das war für mich ein so wichtige Erkenntnis, dass der Körper der Übersetzer der Seele ist. In vielen Jahren als Therapeutin in einer psychosomatischen Klinik durfte ich das lernen und erleben, wie diese Erkenntnis das Leben vieler Patienten zum Positiven verändert hat. Ja und die Brüche – die zu Aufbrüchen werden. Dazu werden wir wohl immer wieder aufgefordert und dürfen daran wachsen und unsere Geschichte neu erzählen zu können. Auf vielfältige Weise.
    Vielleicht magst du ja beim Workshop dabei sein und an der Schreibmagie teilnehmen. Würde mich auch sehr freuen, wenn wir uns wenigstens online mal kennenlernen.
    Herzliche Grüße
    Alexandra

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.